ZOOLOGIE

Ein langer Penis erzeugt im Gegenzug mehr weibliche Intelligenz

Moskitofisch-Männchen haben ein sehr kurzes oder ungewöhnlich langes Geschlechtsorgan. Die Weibchen reagieren darauf mit mehr Hirn

Jochen Stadler | aus HEUREKA 1/17 vom 22.03.2017

Zwischen dem männlichen und dem weiblichen Geschlecht gibt es ein Wettrüsten mit ungleichen Waffen, berichtet der österreichische Biologe Alexander Kotrschal. Die einen setzten dabei auf einen langen Penis, die anderen auf Intelligenz, wie er herausgefunden und im Wissenschaftsmagazin Proceedings B veröffentlicht hat.

Kotrschal hat mit Kollegen Moskitofisch-Männchen über mehrere Generationen so gezüchtet, dass sie entweder ein ungewöhnlich langes oder sehr kurzes Geschlechtsorgan besitzen. Zunächst untersuchten die Forscher, ob ein riesiger Penis die Männchen beim anderen Geschlecht attraktiver macht, sie damit öfter Nachkommen zeugen - und ob das lange Ding beim Schwimmen stört. All dies war nicht der Fall. "Wir haben aber entdeckt, dass die Weibchen in den Gruppen, in denen die Männchen über längere Genitalien verfügten, größere Gehirne entwickelten als Weibchen, deren Männchen kurze Penisse hatten", so Kortschal, der am Zoologischen Institut der Universität Stockholm forscht.

Dadurch sind sie wohl gewiefter, um sich unerwünschten Begattungsversuchen zu entziehen, meint er. Die Moskitofisch-Männchen lassen den Damen nämlich normalerweise keine Wahl und begatten sie hinterrücks. Ein längeres Geschlechtsorgan sei bei einer solchen Vergewaltigung erwiesenermaßen von Vorteil. Bessere kognitive Fähigkeiten würden aber den Weibchen dazu verhelfen, dem auszuweichen und mehr Kontrolle über die Partnerwahl zu erlangen.

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