: EDITORIAL

Auf Sand bauen

Christian Zillner | aus HEUREKA 2/17 vom 26.04.2017

Ein recht beträchtlicher Teil des weltweiten Bodens besteht aus Sand. Allerdings ist Sand nicht gleich Sand, wie mancher Bauunternehmer erfahren muss, der in der Wüste baut und glaubt, Sand sei dort genug vorhanden. Ja, schon, nur eignet er sich nicht zum Bauen, denn seine Körner sind vom Wind rundgeschliffen und haften nicht fest genug aneinander. Mit dem Sand ist es wie mit dem Wasser: Die Welt ist voll damit, aber wir können nur mit einem Bruchteil davon etwas anfangen. Das und die weltweite Bautätigkeit führen nun zu einer Situation, die grotesk erscheint: Weltweit wird der Sand knapp und mittlerweile auch über "dunkle Kanäle" gehandelt. Kein Wunder, wenn ihn manche Staaten einfach ins Meer schütten, um Stadterweiterungsgebiete oder künstliche Inseln zu gewinnen. Auch der Versuch, Sandstrände wieder aufzuschütten, führt letztlich dazu, dass immer mehr Sand ins Meer verfrachtet wird, das heißt für uns verschwindet. Vor mancher Südseeinsel tauchen Menschen nach Korallensand für Baustoff. Das führt am Ufer der Insel dazu, dass der Sand in die abgegrabenen Meergegenden rutscht. Land unter. Erstaunlich, womit man auf unserer Erde Raubbau begehen kann. Wenn sogar der Sand selten wird, verlieren wir nun wirklich den Boden unter den Füßen.

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