Die Grundlage unseres Lebens

Unser Boden ist begrenzt und wird weniger. Höchste Zeit, ihn besser zu schützen

Text: Joshua Köb | aus HEUREKA 2/17 vom 26.04.2017

In Österreich ist fast die Hälfte der Gesamtfläche des Landes, etwa 40.000 Quadratkilometer, mit Wald bedeckt. Ein Drittel des Landes ist potenzieller Siedlungsund Landwirtschaftsraum. Im Durchschnitt werden davon täglich 16 Hektar, etwas mehr als 22 Fußballfelder, erschlossen. Bei diesem hohen Bodenverbrauch wird in absehbarer Zeit Schluss mit weiterer Landnahme sein. Die Berge werden sich nicht einebnen lassen, ein Meer zum Aufschütten gibt es nicht. Erschwerend kommt hinzu, dass sich der vorhandene Boden nicht erneuern lässt.

Wir müssen die Lebensgrundlage Boden schützen

Für uns geht es nun darum, den Schutz des heimischen Bodens zu verstärken, denn er ist die Basis allen Lebens: Lebensraum von Pflanzen, Tieren und Menschen sowie Quelle der Ressourcen für unser Überleben. Für eine lebenswerte Zukunft müssen wir die Inanspruchnahme des Bodens verringern. Seiner Vergiftung und Verschmutzung gilt es vorzubeugen. Außerdem sollten wir eine regenerative Landwirtschaft fördern. Die ersten Schritte sind getan, doch der Weg ist noch weit. Damit uns der Boden als Lebensgrundlage bleibt, braucht es konkrete Umweltschutzmaßnahmen, ein geschärftes gesellschaftliches Bewusstsein, innovative Lösungen und ein hohes Maß an politischem Willen.

Bodenanalysenpakete für Landwirte und Gärtner

Der Bodenschutz umfasst viele Aspekte. Nahrungsmittelschutz ist einer davon. Gesunde Ernährung, nachhaltige Produktion und sichere Herkunft spielen hierzulande eine immer größer werdende Rolle. Ursprünglich war die Bio-Idee eines ökologisch verantwortlichen Lebensstils eng mit Natur- und Umweltschutzbewegungen verknüpft. Mittlerweile bieten auch großer Supermarktketten Bioproduktlinien an. Bio ist Trend. Das konstatiert auch Sigrid Schwarz vom Umweltbundesamt: "Aus dem Interesse einiger ökologischer Idealisten ist eine Erfolgsgeschichte geworden. Heute werden 20 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche biologisch bewirtschaftet. Damit ist Österreich Vorreiter in Europa. Biolebensmittel sind nicht nur ein Thema um Gesundheit und Konsum, sondern auch eminent wichtig für die Umwelt."

Doch nur ein gesunder Boden garantiert die Versorgungssicherheit mit hochwertigen Lebensmitteln aus heimischer Produktion. Daher sollen nationale und EU-Grenzwerte sowie ein umfassendes, bundesweites Bodenmonitoring helfen, die Schadstoffanreicherung im Boden und damit letztlich auch in Futter- und Lebensmitteln zu verhindern. Andreas Baumgarten von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) beschäftigt sich unter anderem mit diesem Thema. Mit seinem Team der Abteilung "Bodengesundheit und Pflanzenernährung" kümmert er sich um die Bewahrung und Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit. "Dabei stehen einerseits wichtige Bodeneigenschaften wie der Säuregrad, der Kalkgehalt oder der Humusgehalt, andererseits aber auch die optimale Versorgung mit Nährstoffen im Vordergrund. Es werden Bodenanalysenpakete für Landwirte, Gärtner, auch Hobbygärtner, angeboten, auf deren Basis sich Pläne zum Düngungsmanagement erarbeiten lassen."

Aus den Bodeneigenschaften kann abgeleitet werden, wie gut der Boden seine Funktionen erfüllen kann. Diese Bewertungen bieten außerdem eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für den aktiven Schutz wichtiger Bodenressourcen bei Raumplanungsverfahren. "Auf Basis verschiedener Bewertungskriterien wird ein ,Raumwiderstand' der Böden ermittelt: Je höher dieser Raumwiderstand ist, umso schützenswerter ist der Boden", sagt Baumgarten. Für ihn zählt die Zusammenarbeit mit den Raumplanungsbehörden daher zu den wichtigsten Aufgaben. "Bis dato war die Qualität der durch ein Bauvorhaben verbrauchten Bodenressourcen kein Kriterium. Da der Boden mit seinen Funktionen eine nicht erneuerbare Ressource darstellt, sollte er im Sinne einer nachhaltigen Raumplanung berücksichtigt und seine Versiegelung im Hinblick auf die Bodenfunktionalität minimiert werden." Für Oberösterreich, Salzburg und Wien existieren bereits flächendeckende Bodenfunktionskarten, jene für Kärnten und Tirol sind in Arbeit.

Der Boden wird allmählich auch weltweit knapp

Was im Kleinen gilt, betrifft das große Ganze noch weit mehr. Die UN erklärten das Jahr 2015 zum Internationalen Jahr des Bodens. Faktoren wie das weltweite Bevölkerungswachstum, der steigende Energiebedarf und die Gefahren des Klimawandels fordern längst einen nachhaltigen und gerechten Umgang mit den vorhandenen Ressourcen. Der Boden ist die Grundlage von Nahrungs- und Futtermittelproduktion und dient zugleich als Trinkwasser- und Nährstoffspeicher. Er filtert Schadstoffe und ist als größter Kohlenstoffspeicher unabdingbar für den Klimaschutz.

Allerdings sind seine Kompensationsfähigkeit und Kohlenstoffspeicherung begrenzt und von der Bewirtschaftung abhängig. Daher plädiert Sigrid Schwarz für eine Ausweitung der für die Bodenqualität günstigen Biolandwirtschaft: "Biologisch bewirtschaftete Böden haben meist einen höheren Humusgehalt. Sie binden daher mehr CO2 aus der Atmosphäre. Sie können mehr Wasser speichern und sind durch häufigere Begrünung stabiler gegen Wind-und Wassererosion. Dank sorgsamer Kreislaufwirtschaft sichern sie eine bessere Grundwasser- und Trinkwasserqualität." Der Klimawandel und die Verknappung der natürlichen Ressourcen werden künftig Katastrophen und Konflikte auslösen. In Teilen Afrikas finden schon heute kriegerische Auseinandersetzungen aufgrund von Wasserknappheit und "Land Grabbing" statt. Damit sich die Degradation von Land und Boden aufhalten und negative Einflüsse auf die Umwelt reduzieren lassen, sind effektive Bodenschutzmaßnahmen sowie eine bodenschonende Raumentwicklung unverzichtbar. Aus diesem Grund wurden entsprechende Ziele im Fahrplan für ein ressourcenschonendes Europa verankert. Ein Ziel ist, ab dem Jahr 2050 kein zusätzliches Land mehr zu verbrauchen.

In Österreich soll der Ressourceneffizienz Aktionsplan "REAP" und die Initiative "RESET2020" unseren Boden vor weiterer Übernutzung bewahren. Mit einem neuen Aktionsplan zur Nutzung nachwachsender Rohstoffe leistet das Ministerium für ein lebenswertes Österreich seinen Beitrag zur Bioökonomie-Strategie der EU. Am Ende gilt es, nicht nur die Treibhausgasemissionen, sondern auch die Importabhängigkeit von fossilen Ressourcen zu minimieren.

Den Boden für nachwachsende Rohstoffe nutzen

Nachwachsende Rohstoffe sind jene Produkte der Land- und Forstwirtschaft, die weder als Nahrungs- noch als Futtermittel verwendet werden. "Sie stehen inmitten eines Konkurrenzkampfes um Anbauflächen", wie Schwarz betont. Sofern nachwachsende Rohstoffe und Energiepflanzen entsprechend (wieder)verwertet werden, sind sie regelrechte Alleskönner. So lassen sie sich innerhalb einer längeren Verwertungskette wiederholt stofflich verwerten und abschließend bei Biomasseverbrennungen energetisch nutzen. Einen solchen regenerativen Prozess zeigt die Nutzung von Flachs, Hanf oder Stroh: Aus den Rohstoffen werden Fasern, aus den Fasern Bau-und Dämmstoffe, Papier, Textilien oder chemische Grundstoffe. Durch Verbrennung wird aus den Abfällen letztlich wieder Wärme und Energie.

Der Aktionsplan sieht unter anderem vor, neue innovative Wertschöpfungsketten zu fördern. Ein Beispiel hierfür sind Bioraffinerien wie die Zellstoff-Bioraffinerie Lenzing oder die Grüne Bioraffinerie Utzenaich. Momentan gibt es sechs Anlagen in Österreich, weitere sollen folgen. Mit ihrer getrennten Verwertungsweise ermöglichen sie eine ressourceneffiziente Weiterverarbeitung von Reststoffen und Nebenprodukten.

Unsere Bemühungen um die Umwelt und das Klima, um unseren Boden und dessen Erzeugnisse sollten in eine zukunftsfähige, biobasierte Wirtschaft mit regionalen Produkten münden. Diese Strategie schafft nicht nur neue heimische Arbeitsplätze, sie kann auch zu einer Reduzierung der Abhängigkeit vom Import fossiler Brennstoffe führen. Also lasst uns unseren Boden schützen!

Europäische Bürgerinitiative People4Soil

Die europäische Bürgerinitiative setzt sich für eine effektive Bodenschutz-Gesetzgebung auf europäischer Ebene ein. Denn die bestehenden EU-Regelungen reichen bei Weitem nicht aus, um ein angemessenes Schutzniveau für alle Böden in Europa abzusichern. www.people4soil.eu www.umweltdachverband.at/ themen/klima-energie-und-ressourcen/bodenschutz/people4soil

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