: GASTKOMMENTAR

Boden ist eine wesentliche Substanz, die nicht unendlich verfügbar ist

Peter Mayer | aus HEUREKA 2/17 vom 26.04.2017

Was wir instinktiv wissen, weil wir uns ständig auf ihm bewegen, wird allerdings in der Hektik unseres Daseins oft wenig beachtet. Dabei ist fruchtbarer Boden, der sich in Wechselwirkung mit der Vegetation im Laufe von Jahrtausenden langsam entwickelt, nicht beliebig vermehrbzw. ersetzbar. In dieser Sonderausgabe Heureka mit dem Fokus Boden werden Sie sicherlich noch an der einen oder anderen Stelle lesen, dass Österreich im Umgang mit seinem Boden leider kein gutes Zeugnis hinsichtlich des Bodenverbrauchs ausgestellt werden kann. Durch die Versiegelung von circa 16 Hektar Boden oder etwas mehr als 22 Fußballfeldern täglich wird mit der Ressource Boden auch im Europavergleich derzeit eher sorglos umgegangen.

Nicht nur deshalb beschäftigen sich Forscherinnen und Forscher sehr konkret mit dem Boden. Im Spannungsbogen zwischen Klimawandel, Ernährungssicherheit, Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit ist der Boden nicht nur metaphorisch eine wichtige Grundlage. Grundsätzlich gedacht, geht es dabei nicht nur um den Boden in ländlichen Regionen, sondern auch um den Stadtboden, weil Boden immer mehr ist als nur eine wirtschaftliche Ressource.

Auch für den Wald spielt Boden eine essenzielle Rolle. Wald ist als Lebensraum, als Kohlenstoffspeicher und vor allem als Grundstofflieferant für sehr viele Materialien und Gegenstände, die wir in unserem täglichen Leben als Selbstverständlichkeit benutzen, über seinen Boden definiert. Und dieser trägt nicht nur zur Trinkwassersicherheit, sondern erstaunlich viel zur Artenvielfalt bei: In einem Hektar Waldboden befinden sich immerhin 25 Tonnen Bodenorganismen.

Deswegen wollen wir, das BFW und die beteiligten Forschungspartner in Kooperation mit dem Falter Verlag dazu beitragen, das allgemeine Wissen über den (Wald-)Boden zu erweitern.

Als wissenschaftliche Einrichtung, die sich schon seit über 140 Jahren mit dem Wald beschäftigt, haben wir neben der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) primär mit der integrativen Erforschung des Ökosystems Wald zu tun, wobei ein starker Fokus auf angewandter Forschung und Ausbildung liegt.

Die Aufgaben waren in den Anfängen aus existenziellen Gründen zunächst nur mit Holzzuwachs und Wirtschaftlichkeit verknüpft und haben sich mit der Internationalisierung zu Forschung, Beratung und Ausbildung mit umfassenden gesellschafts-und umweltpolitischen Hintergründen erweitert.

Das BFW arbeitet dabei nicht nur in Österreich, sondern in vielen Teilen der Welt, beispielsweise in Japan, Singapur und Surinam, um den Wissenstransfer weiterzubringen oder das UN-Berichtswesen zu unterstützen, oder in Burkina Faso und Äthiopien, um den negativen Auswirkungen des Klimawandels zu trotzen. Wir arbeiten also mit dem Wald -und mit dem Boden.

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