: HORT DER WISSENSCHAFT

Fremder Boden für Jammerer

Martin Haidinger | aus HEUREKA 2/17 vom 26.04.2017

Erinnern Sie sich noch? Wenn zu alten kalten Kriegszeiten linke Frechdachse in unserer westlichen Hemisphäre allzu revolutionäre Ideen äußerten, wurden sie aus Kreisen des saturierten Mittelstands gern dazu aufgefordert, ihr Heil in den Diktaturen des kommunistischen Ostblocks zu suchen.

Auch expedierte umgekehrt die DDR zuweilen aufsässige Künstler wie Wolf Biermann "rüber" auf die andere Seite des "antifaschistischen Schutzwalls". Weitaus mehr gequälte Ostbürger versuchten aber von sich aus, in den Westen zu gelangen -oft mit der bekannten Folge einer Kugel der NVA-Grenzwächter im Rücken.

Damals, da gab es noch hüben und drüben -je nach Windrichtung. Wer im Osten genug von Karl Marx und seinen Apologeten hatte, konnte wenigstens noch in Gedanken "rüber" zu Karl May, Winnetou und Kara Ben Nemsi flüchten, obwohl die SED sogar diesen Meister frei erfundener Abenteuergeschichten, die in real existierenden fernen Ländern spielten, zeitweilig zensierte und verbot.

Und heute? Jeder meiner Freunde und Bekannten findet jemanden anderen schrecklich und noch schrecklicher, ob Erdoğan, Trump, Putin, Merkel oder heimische Politgrößen deren Aufzählung ich uns allen hier erspare.

Welche Destination soll man diesen Jammerern als Fluchtziel empfehlen? Auf dem weiten Erdboden ist praktisch jedes Fleckchen bekannt und von irgendwelchen Ungustln beherrscht.

Den entschlossensten Eskapisten bleibt nur mehr eine Wahl: der Weltraum und seine unendlichen Weiten

Die europäische Weltraumbehörde ESA fantasiert schon länger von Monddörfern. Russen, Amerikaner und Chinesen wollen wieder Menschen zum Erdtrabanten schicken. Und der in Südafrika geborene kanadisch-Amerikaner Elon Musk möchte mit seinem Raumfahrtunternehmen "Space X"(nachdem er 2015/16 eine kleine Mehrwegrakete getestet hat) ab 2025 die erste Hundertschaft an menschlichen Kolonisten zum Mars bringen. Der Langstreckenflug wird acht Monate dauern, und neben einem tollen Bordprogramm auch Gelegenheit für näheres Kennenlernen bieten. Am Boden des Roten Planeten sollen bis Mitte des 21. Jahrhunderts erste taugliche Mars-Villages entstehen.

Endlich! Ich als 80-jähriger Balkon-Muppet werde dann das ultimative Argument zur Verfügung haben: Was, euch passen hier auf Erden Präsidenten oder Kanzlerinnen nicht? Oder gar unsere Regierung? Ja, dann fliegt doch rüber auf den Mars!

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