: JUNGFORSCHERINNEN

Die zunehmende Digitalisierung stellt auch das Recht vor große Herausforderungen. Junge JuristInnen befassen sich am Juridicum der Universität Wien mit wichtigen Fragen dazu

Uschi Sorz | aus HEUREKA 3/17 vom 07.06.2017

Gregor Klammer, 29

Gehören uns unsere Daten wirklich? Das Sachenrecht ist jahrhundertealt. Wie lässt es sich auf so flüchtige Güter wie digitale Dateien anwenden?"Die rechtliche Sicherheit und Kontrolle von Daten wird in Zukunft immense Bedeutung gewinnen", sagt der Wiener Gregor Klammer. Jeder möchte über seine Daten verfügen können. Doch haben auch Unternehmen ein Interesse daran, kostenaufwendig gesammelte Daten gewinnbringend zu nutzen. "Auffallend ist, dass diesbezüglich die Bedeutung des österreichischen Sachenrechts noch nicht untersucht worden ist." Mit seiner Doktorarbeit "Sachenrechte an Datenverkörperungen" möchte Klammer die Forschungslücke schließen. "Das Sachenrecht ist das durchsetzungsstärkste Instrument unserer Rechtsordnung. Es könnte einen sicheren Rahmen für die Datenzuordnung schaffen."

Gloria Arnold, 28

"Obwohl mit Apps Milliarden erwirtschaftet werden, scheitern Juristen nach wie vor an vertragsrechtlichen Fragen", sagt Gloria Arnold. So müsse man etwa klären, wer der Vertragspartner der Kunden sei, der Anbieter oder der App-Store-Betreiber? Oder ob beim Download einer mit Werbung oder In-App-Käufen versehenen Gratis-App ein entgeltliches Geschäft vorliege. Und welche vertragsrechtliche Bedeutung der Verarbeitung der Daten zukomme. "Im Bereich der Haftung oder des Minderjährigenschutzes ist es unerlässlich, das zu beantworten." Die juristische Beurteilung von App-Downloads ist das Dissertationsthema der Tirolerin. Sie erarbeitet rechtliche Lösungsansätze. "Es ist ein Unterschied, ob Falter-Leser über ein Abonnement Zugang zu sämtlichen Falter-App-Inhalten haben, oder nur die Gratisinhalte nutzen."

Thomas Rainer Schmitt, 29

Software, Musikdateien, E-Books: "Jeder nutzt sie, jeder braucht sie", sagt Thomas Rainer Schmitt. Nicht zuletzt er selbst. "Aber wie passt das Gewährleistungsrecht dazu, das ja eher auf analoge Gegenstände zugeschnitten ist?" Da seien noch viele Fragen offen. Etwa wann Verträge darüber entgeltlich seien. Besonders wenn Nutzer "nur" Daten hergeben, aber kein Geld. Seine Doktorarbeit hat der gebürtige Deutsche dem Thema "Gewährleistung bei Verträgen über digitale Inhalte" gewidmet. Kürzlich hat er sie abgeschlossen. IT-Rechtlichem gilt seine Faszination aber nach wie vor. So befasst er sich gerade mit dem Verleihen von E-Books und dem Richtlinienvorschlag zu vertragsrechtlichen Aspekten der Bereitstellung digitaler Inhalte. "Schwerpunktveranstaltungen haben mich schon im Studium zum IT-Recht hingezogen."

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