: HORT DER WISSENSCHAFT

Autonomie versus Geld

Martin Haidinger | aus HEUREKA 3/17 vom 07.06.2017

Also gut, dass wir Orientalistik und Byzantinistik in Österreich nicht brauchen, haben uns die luziden Politiker Grasser, Prinzhorn und Leitl schon vor 17 Jahren mitgeteilt. Was wir stattdessen wirklich an den Universitäten treiben sollten, stand bereits lange vorher fest: "Publicistik"!

Seit geraumer Zeit haben die Juristen der Universität Wien darauf gedrängt, doch endlich die heiß ersehnte Professur für "Publicistik" einzurichten. Mit ihr wolle man so gut werden wie die tollen Universitäten im Ausland. Zahlen kann man dem Tausendsassa, der diese Professur übernehmen soll, nicht viel. Aber wir haben in Wien guten Wein, schönes Wetter und freundliche Leute -ist das nix?

Die "Publicistik" des 18. Jahrhunderts, gewissermaßen als die "Lehre von den öffentlichen Dingen und Angelegenheiten", also so etwas wie Staats-und Politikwissenschaften, entspricht naturgemäß nicht dem "Publizistik"-Fach des 21. Jahrhunderts.

Kaiserin Maria Theresias schlaue Berater haben es sich ausgedacht, um Spitzenbeamte auszubilden. Einer davon, der Universitätsreformer Trautson, warnte die Kaiserin vor der Unterfinanzierung des Projekts:

"Ich wüßte auch nicht, warum bey denen Professoribus mehr als bey andern zu besorgen sey, daß sie zu comode durch großes Gehalt gemacht werden."

Hatten Majestät etwa Angst vor überbezahlten Nichtstuern an der Universität?

Wurscht, es kommt dann ohnehin das große Mastermind aus den Niederlanden nach Wien, Gerard van Swieten, der einen botanischen Garten und ein chemisches Labor einrichtet, der mittelalterlichen "Drecks"-Medizin mit Krötenaug' und Schlangensud ein Ende setzt und den klinischen Unterricht am Krankenbett einführt. Daraus wird die sogenannte Ältere Wiener Medizinische Schule. Zusammen mit anderen neuen Fächern entsteht eine in sich differenzierte Hochschule mit einem fabelhaften Fächerkanon. Zugleich endet aber auch die Autonomie der Universität. Sie wird zur staatlichen Einrichtung. So greift der Staat nach der Bildung. Der Neubau der Universität im Wiener Stubenviertel, heute die Akademie der Wissenschaften, bringt das deutlich zum Ausdruck:

Dort zeigt sich das neue Programm im Deckenfresko des Festsaals, wo nicht mehr Gott im Mittelpunkt eines Welttheaters steht, sondern die Porträts von Kaiserin Maria Theresia und Kaiser Franz Stephan. Wen die Staatsgewaltigen heutzutage an die Decke pinseln würden, bedürfe wohl einer differenzierten Diskussion

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