: BRIEF AUS BRÜSSEL

Uni nach Brexit

Emily Walton | aus HEUREKA 3/17 vom 07.06.2017

Universitäten leben (auch) von ihrer Internationalität. Schon vor hunderten Jahren haben gute Hochschulen Studierende und Lehrende auch von weit her angezogen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Aus gutem Grund wird daher auch das Erasmus-Austauschprogramm so oft als Vorzeigeprojekt der Europäischen Union genannt.

Kein Wunder also, dass Universitäten und Studierenden auf beiden Seiten des Ärmelkanals schon vor der Zeit nach dem Brexit graut. Gerade für die britischen Elite-Unis und die dortigen Studierenden vom Kontinent könnten schwierige Zeiten anbrechen.

Bislang sind die rund 125.000 EU-Studierenden auf der Insel per EU-Vertrag den Briten gleichgestellt: Sie müssen dieselben Studiengebühren bezahlen wie ihre britischen Kollegen und Kolleginnen und dürfen dafür ebenso wie diese um Kredite bei der Regierung in London ansuchen.

Mit dieser vorgeschriebenen Gleichbehandlung (die auch umgekehrt, also für britische Studierende in der restlichen EU gilt) könnte es nach dem Ausstieg der Briten aus der Union vorbei sein. Und dann? Gibt es keine neue Regelung speziell für EU-Studierende, könnte ihnen blühen, was für Studierende aus Drittstaaten, etwa den USA, längst Realität ist: oft mehr als doppelt so hohe Studiengebühren. Dazu die Bürokratie rund um Studierendenvisa, die, wenn die Regierung ihre Pläne umsetzt, deutlich reduziert werden sollen.

Eine erste Reaktion auf das Brexit-Votum vor einem Jahr zeigte sich schon bei den Anmeldungen für das laufende Studienjahr: Die Zahl der Bewerbungen vom Kontinent ist teils stark zurückgegangen, in Cambridge etwa haben sich gleich 17 Prozent weniger EU- Studierende um einen Platz beworben. Für die Unis wäre ein derart drastischer Rückgang nicht nur ein kultureller Verlust, sondern auch ein finanzieller Schlag, lukrieren sie doch bis zu einem Viertel ihres Budgets aus Studienbeiträgen.

Was tun? Eine Möglichkeit, die von britischen Unis erwogen wird, ist eine Außenstelle auf dem Kontinent einzurichten, wie sie manche Hochschulen ohnehin schon längst haben. So ließe sich ein Türchen offenhalten für jene Studierenden, die nicht für ein ganzes Studium auf die Insel kommen können. Und ganz nebenbei würden so die Universitäten trotz des Brexit den Zugang zu den EU-Fördertöpfen zumindest nicht ganz verlieren.

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