: WAS AM ENDE BLEIBT

Kirche? Parsch

Erich Klein | aus HEUREKA 4/17 vom 21.06.2017

Die Kirche "Zum kostbaren Blut" in Salzburg-Parsch ist einer der bemerkenswertesten Sakralbauten Österreichs. Errichtet wurde sie 1956 von drei jungen Architekten: Friedrich Kurrent, Wilhelm Holzbauer und Johannes Spalt, die sich "arbeitsgruppe 4" nannten. Mit ihrem keilartig in den Himmel schießenden Dach hat das Gebäude bis heute nichts an Effekt verloren. Manche sahen darin einen Vorboten der "Kirche unserer Zeit". Der geduckte Innenraum samt Säulen eines umgebauten Kuhstalls öffnet sich zu einem weiten Altarbereich, über dem ein steiles Glasdach aufragt. Der offene Dachstuhl dient gleichzeitig als Träger der Kirchenglocken.

Für die Architekten war dieses Projekt ein Beispiel für Innovation. Wie viel Substanz steckt in alter, anonymer Architektur, die eigentlich nur umgebaut wurde? Ein Teil des Publikums fand sie allerdings "scheußlich". Selbstredend erhob die Lokalpresse ihre prophetische Stimme: "Weg mit den Surrealisten und Existenzialisten aus der Kirche!" Schließlich zog sich auch der Salzburger Erzbischof, der bei der Grundsteinlegung anwesend gewesen war, zurück. Er ließ sich bei der Einweihung des modernen Gotteshauses vertreten. Der Grund lag in einem heute kaum mehr nachvollziehbaren liturgischen Grund: Die Jungarchitekten hatten den Volksaltar, bei dem der Priester dem Volk zugewandt zelebriert, ein Jahrzehnt vor dessen offizieller Einführung "erfunden".

Ein weiterer Grund war wohl die Allgegenwart von zeitgenössischer Kunst als flankierende Maßnahme des Sakralen: gelb und orange leuchtende Glasfenster des Maler Josef Mikl samt symbolischer Andeutungen von "Grablegung" und "Auferstehung".

Fritz Wotruba, führender Bildhauer seiner Zeit und bekennender Atheist, hatte den Vorschlag der geistlichen Bauherren, über dem Kircheneingang einen Schwurfinger anzubringen, ausgeschlagen, mit einer Christusplastik aus Beton aber eine zeitgemäße Darstellung des Erlösers geschaffen. Die ins Betonportal der Parscher Kirche geschnittene Darstellung von "Sündenfall" und "Taufe" stammte schließlich von keinem Geringeren als von Oskar Kokoschka.

Das Bauwerk verdient zu Recht den Namen der ersten modernen Kirche der jungen Zweiten Republik. Ein vergleichbares neosakrales Gesamtkunstwerk wurde später nie mehr geschaffen. Fragt sich nur: Warum?

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