: MATHEMATIK

Warum sich eine gute Freundschaft mehr rechnet als viele Facebook-Beziehungen

Beziehungen galten lange selbst für Mathematiker als unberechenbar. Martin Nowak und Kollegen ist die entscheidende Gleichung gelungen

Jochen Stadler | aus HEUREKA 4/17 vom 21.06.2017

Zusammenhalt in einer Gesellschaft entsteht über enge Zweierbeziehungen und nicht durch ein loses Netzwerk an Bekanntschaften, berechnete der österreichische Biomathematiker Martin Nowak mit Kollegen. Die Forscher fanden erstmals eine Gleichung, wie sich Kooperation durch natürliche Selektion in einer realistischen Bevölkerung entwickelt.

Eigentlich ist die mathematische Beschreibung eines wirklichkeitsnahen Beziehungsnetzwerks so komplex, dass sie laut gängiger Computerwissenschaft fast unmöglich ist, erklärt Nowak, der an der Harvard University forscht. Nur in Grenzfällen hätte man eine Chance. "Wenn die Evolution nur schwach wirkt und vieles vom Zufall abhängt, ist das so ein Grenzfall", meint Nowak. Bei Treffen mit mathematischen Kapazundern wie dem Fields-Medaillen-Gewinner Shing-Tung Yau und "Jungstar" Ben Allen sei man schließlich auf die Formel gekommen, die seit den 1990er Jahren gesucht wurde.

Die Forscher testeten damit Beziehungsnetzwerke bei Menschen, anderen Primaten und Delfinen. Am wenigsten Kooperation brachte das soziale Internet-Netzwerk Facebook hervor. Am besten für die Kooperation sind stabile, paarweise Beziehungen, also Partner- und Freundschaften. "Sie bilden das Rückgrat der Zusammenarbeit in einer Gesellschaft und können durch eine große Zahl loser Bekanntschaften nie ersetzt werden", sagt Nowak. Die Studie erschien im Fachmagazin Nature.

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