: STILISTIK

Schreiben, um verständlich & korrekt zu biben

Wer wissenschaftliches Schreiben üben will, muss öfter Texte handschriftlich exzerpieren, meinen die Coaches des Schreibzentrums an der FHWien

Sabine Edith Braun | aus HEUREKA 5/17 vom 25.10.2017

"Ich habe es offenkundig handwerklich nicht gut gemacht. Natürlich würde ich 17 Jahre später vieles anders machen." Das sagte ein österreichischer Politiker im April, als die Universität Graz seinen Promotionsbescheid wegen wissenschaftlicher Mängel aufhob.

Ob intentional oder nicht: Heute würde eine solche Arbeit nicht angenommen werden. Sie fiele durch die Plagiatsprüfung. Seit 2008 testen Hochschulen mittels Spezialsoftware Diplom-, Master-und Doktorarbeiten, an der Universität Graz auf Wunsch der Lehrenden auch Bachelorarbeiten.

40.000 Arbeiten verzeichnet der Hochschulserver der Universität Wien. Darüber hinaus gibt es an allen Universitäten Angebote für Studierende zur Verbesserung ihrer Schreibkompetenz.

Das von der Stadt Wien geförderte Schreibzentrum an der FHWien richtet sich an Studierende sowie an Lehrende. Es werden auch Unterlagen für Lehrende vorbereitet, unter anderem Zitierleitfäden. "Wir sind keine Nachhilfeeinrichtung", betont die Leiterin Regina Fenzl. Das war beim Start im Jahr 2012 nicht allen ganz klar.

Keine Nachhilfeeinrichtung, aber ein Plädoyer fürs Exzerpieren

Mittlerweile ist das Schreibzentrum etabliert: Ein Viertel der 3.000 Studierenden nimmt die Angebote an. "Es sind die obersten und die untersten 12,5 Prozent", sagt Regina Fenzl. Also jene, die es besonders gut machen, und jene, die sich ins wissenschaftliche Schreiben erst einarbeiten müssen, da sie nicht aus dem klassischen Bildungsbereich kommen, oder Probleme haben und im schlimmsten Fall mit Schreibblockaden kämpfen."

Es stellte sich heraus, dass die Studierenden nicht bewusst Fehler machen, sondern unzureichend paraphrasieren. Das sei auch der Zeitnot geschuldet, denn an der FHWien studieren viele berufsbegleitend.

"Wer viel mit der Hand schreibt, lernt paraphrasieren, aber das wird an den Oberstufen der Mittelschulen kaum noch gemacht", sagt Natascha Miljković. Viele Studierende wüssten außerdem nicht, warum sie zitieren müssen. "Keiner will ein Plagiat abgeben -aber niemand denkt daran, dass es hier um den Argumentationsfaktor geht!" Miljković ist als Lektorin am Schreibzentrum tätig. Als Selbstständige leitet sie die "Agentur Zitier-Weise".

"Ich bin keine Plagiatjägerin, sondern ausschließlich präventiv tätig", sagt sie und fügt hinzu: "Nicht alles ist gleich ein Skandal." Aber sehr viele, auch Lehrende, glaubten noch immer, dass alles im Netz frei sei: "Hier spießt sich Open Access mit Verwertungsrechten."

Schreiben und tanzen zur Wissensaneignung

Regina Fenzl plädiert für eine "schreibintensive Lehre":"Man soll die Gedanken nicht nur im Kopf kreisen lassen." Doch dazu bedürfe es mehr Inputs seitens der Lehrenden und mehr "Lust zum Schreiben" seitens der Studierenden. Abhilfe können vielleicht Trends wie der "Dance your Ph.D."-Contest schaffen. "Das zwingt zum Verkürzen, und das brauche ich in jedem Forschungsantrag", so Miljković.

www.fh-wien.ac.at/kontakt/schreibzentrum www.plagiatpruefung.at

Buchtipp: Natascha Miljković et al. (Hg.): Erfolg in Studium und Karriere - Fit durch Selbstcoaching. UTB, 2017

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