: HORT DER WISSENSCHAFT

"Die alten Lieder...

Martin haidinger | aus HEUREKA 5/17 vom 25.10.2017

...machen mich so melancholisch!" heißt es in einem Wienerlied von Horst Chmela. So sehr ich den Ottakringer Barden schätze, nehme ich die leiernden Lieder auf die österreichischen Universitäten von diesem sentimentalen Befund aus.

Bei aller Liebe: Wir alle konnten den Singsang von den "Weltklasse-Universitäten" schon nicht mehr hören, oder? Erinnern Sie sich noch an jene Ära vor einigen Jährchen, als dieser Slogan rauf und runter gepredigt wurde und zugleich der Appell an die jungen Menschen da draußen erging, nur ja nicht Lehrer oder Lehrerin werden zu wollen und lieber was Gscheites zu studieren? Mehrere Abstürze in internationalen Uni-Rankings später und mit einem drohenden Lehrermangel im Genick sind wir von so manchem Schlagwort geheilt, haben aber von der Bildungspolitik längst weitere Parolen geerbt: "Differenzierung", "Exzellenz","Wettbewerb","Diversität" - uff! Welche Leitbilder brauchen denn solche differenziert exzellenten Wettberwerbsdiversitäten? Immerhin sind die Unis zwischen öffentlichem Bildungsauftrag und Selbstentwürfen hin-und hergerissen. Mit ein bisschen PR allein ist da nichts getan, außer vielleicht das Falsche.

Ein Beispiel zum Fremdschämen: 2014 feierte die Goethe-Universität zu Frankfurt ihr hundertjähriges Bestehen und ließ, damit es in der hektischen Mainmetropole auch ja jeder mitbekommen möge, in der halben Stadt Gartenzwerge mit dem Antlitz des armen Goethe aufstellen! Goethe-Gnome! Schöner hätte man die Verzwergung von Wissenschaft und Forschung im postfaktischen Zeitalter nicht darstellen können.

Dagegen darf man als Positivum in aller Bescheidenheit eine feine österreichische Universität neueren Typs vor den Vorhang bitten, die derlei Mätzchen nicht nötig hat: Die 1966 gegründete Johannes-Kepler-Universität in Linz hat sich im Lauf von mehr als 50 Jahren von der Hochschule für Sozial-und Wirtschaftswissenschaften zur Volluni gemausert. Ihr starkes Profil mit Pädagogik-und Technologieschwerpunkten braucht keine Image-Kampagne. Die JKU Linz ist mit 14.000 Studentinnen und Studenten die viertgrößte Universität in Österreich, rund drei Viertel der Studierenden sind voll oder nebenbei berufstätig. Die Universität betreibt 60 Studienrichtungen, von Wirtschafts-, Sozial-und Geschichtswissenschaft über technische Fächer bis hin zur Medizin und ist außerdem die führende akademische Einrichtung im Bereich des Fernstudiums und e-Learnings in Österreich.

Da singe ich schon eher mit bei den Lobliedern. Ganz ohne Melancholie.

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