: GASTKOMMENTAR

Zukunft Hochschule: Revolutionäre Pragmatik

Ulrike Plettenbacher | aus HEUREKA 5/17 vom 25.10.2017

Am Anfang stand die Skepsis, bei vielen, die vom Ministerium zu "Zukunft Hochschule" geladen waren. Noch mehr Arbeitskreise? Curriculare Reformen in einem halben Jahr? Nie und nimmer. Die Gestaltung der Lehre - Sache der Universitäten. Und bei den Fachhochschulen ist sowieso alles anders. Ich gebe zu, auch ich war skeptisch: Wozu schon wieder alle zu allem fragen? Modernes Projektmanagement, gezeichnet in zarten Ellipsen? Partizipative Schattenspiele?

Verordnete Beteiligungsverfahren versprechen viel und produzieren wenig. Allerdings: Einsame strategische Planspiele können wir schon, und das Anliegen im Untertitel hieß "Weiterentwicklung des österreichischen Hochschulsystems" - als solches uneingeschränkt begeisterungswürdig. Also ging ich hin. "Zukunft Hochschule" hat mich überrascht. Begonnen hat es damit, dass es gelang, die Arbeitsteilung zwischen Universität und Fachhochschule am runden Tisch kurz und prägnant nicht nur niederzuschreiben, sondern als Bekenntnis aller zu erwirken. Das war dringend nötig, denn auch wenn die Aufgaben von Universitäten und Fachhochschulen gesetzlich verankert sind, gab es realpolitisch interpretative Differenzen, sichtbar durch den zunehmenden Typen-Kannibalismus, nämlich das kräfteraubende Knabbern an den Aufgaben des jeweils anderen. "Zukunft Hochschule" hatte sich vorgenommen, Bildung und Erkenntnis, Ausbildung und Kenntnis als Charakteristika wieder stärker herauszuschälen. Deren Haltbarkeit und Ergänzungsfähigkeit zu prüfen, um fit für alle möglichen Zukünfte zu sein. Dieser gemeinsame programmatische Start war revolutionär: Er impliziert die aktive Akzeptanz des Gegenübers.

Überzeugt hat mich die Auswahl der Fächer, mit denen "Zukunft Hochschule" begann. Ministerielle Pragmatik erwies sich dabei als zielführend: "Massenfächer"(Wirtschafts-, Rechtswissenschaften) und solche, die an Unis und Fachhochschulen angeboten werden (Wirtschaft, Informatik, Life-Sciences), Fächer mit wenigen Studierenden (z. B. Altertumswissenschaften) wurden analysiert, die Curricula durch jene dargestellt, die es am besten wissen: die Fachvertreter, unterstützt von der Datenabteilung des BMWFW. Sichtbar wurde, welche Lehrinhalte ausbaubar, welche profilsichernd solitär, welche anschlussfähig sein sollten , und welche Reformüberlegungen bereits laufen. Das erlaubte eine beeindruckende Übersicht und man begann gemeinsam, lustvoll an strategischen Stellschrauben zu drehen, das bestmögliche Lehrangebot im Visier.

Jetzt kommt es drauf an, Ideen nicht versickern zu lassen und Bande für künftige Kooperationen und Absprachen zur Arbeitsteilung zwischen Fächergruppen, Universitäten und Fachhochschulen fester zu knüpfen. Ritualisieren wir das Zusammendenken, wie es das Format "Zukunft Hochschule" bietet. Machen wir weiter! Ich wäre gern dabei.

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