: NEUROTECHNOLOGIE

Musik findet den Weg aus dem Kopf direkt auf die Notenblätter

Grazer Forschende haben eine Schnittstelle für Musik zwischen dem menschlichen Gehirn und Computern entwickelt

Jochen Stadler | aus HEUREKA 5/17 vom 25.10.2017

Eine Melodie entsteht zunächst im Kopf. Grazer Forscher haben eine Gehirn-Computer-Schnittstelle entwickelt, über welche die Melodie den direkten Weg auf Notenblätter findet. Menschen, die weder schreiben noch reden können, weil sie etwa unter Muskelkrankheiten oder Hirnschädigungen leiden, wird es so ermöglicht, sich musikalisch-kreativ zu betätigen, erklären sie im Fachmagazin Plos One.

Betrachtet man einen Buchstaben (der für eine Tonhöhe steht), einen Notenwert, ein Pausenzeichen oder ein anderes Notenschriftelement, entsteht im Kopf eine Gehirnwelle, die sogenannte "ereignisorientierte P300-Gehirnwelle", die man mittels EEG ablesen kann, erklärt Gernot Müller-Putz vom Institut für Neurotechnologie der TU Graz. Hat man gerade intensiv an ein bestimmtes Notenzeichen gedacht, wenn es gezeigt wurde, sieht diese Gehirnwelle ein wenig anders aus. Die P300-Gehirnwelle kann daher als Aufmerksamkeitsmaß verwendet werden. Ein Computeralgorithmus erkennt nach dem Präsentieren aller möglicher Notationszeichen jenes, welches davon der "Komponist" im Sinn hat.

Die Forschenden setzten siebzehn musikbegeisterte Laien und einem Profimusiker ein Mützchen mit EEG-Elektroden auf und ließen sie mit ihren Gedanken komponieren. Die Eingebungen wurden tadellos vom Computer aufgezeichnet. Beim professionellen Musiker fanden die Töne zu 98,2 Prozenten ohne Fehler von seinem Kopf auf das Notenblatt.

Weitere Artikel lesen


Anzeige

Anzeige