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Mitteilen

Florian Freistetter | aus HEUREKA 5/17 vom 25.10.2017

Die Welt ändert sich. Auch die Ausbildung an den Universitäten. Statt Magister und Doktoren gibt es nun Bachelors, Masters und PhDs. Das Studium hat sich vom freien, selbstverantwortlichen Lernen zur streng strukturierten Wissensaufnahme mit maximaler Geschwindigkeit gewandelt. So können die Universitäten zwar schnell qualifizierte Kräfte für den Arbeitsmarkt produzieren, ein wesentlicher Teil ihrer gesellschaftlichen Rolle geht dabei jedoch verloren.

Denn Hochschulen sollten eben nicht nur Ausbildungszentren sein. Sie sind auch die Orte, an denen gut ausgebildete Forscher und Forscherinnen sich Gedanken über die drängenden Probleme unserer Zeit machen. Und -das ist wichtig - die Resultate dieser Gedanken auch der Gesellschaft mitteilen. Der menschengemachte Klimawandel ist ein gutes Beispiel dafür: Seine politische Relevanz ist unbestritten. Um etwas gegen den Klimawandel zu tun, sind politische Entscheidungen notwendig. Es braucht dafür nicht nur gut informierte Politiker, sondern auch eine ebenso gut informierte Gesellschaft, die zwischen Notwendigkeit und Populismus unterscheiden kann. Und deshalb braucht es auch dringend Forschende, die sich aktiv in der Öffentlichkeitsarbeit engagieren.

Dazu müssen ihnen aber nicht nur Möglichkeiten geboten werden: Es darf im Gegensatz zur aktuellen Situation der Karriere nicht schädlich sein, Arbeitszeit für die Kommunikation mit der Öffentlichkeit aufzuwenden. Und sie müssten entsprechend ausgebildet werden. Unter Kollegen und Kolleginnen über die eigene Forschung zu diskutieren, erfordert ganz andere Fähigkeiten als wissenschaftliche Zusammenhänge einer Öffentlichkeit ohne wissenschaftliches Vorwissen zu vermitteln. Das zu lernen ist zwar durchaus möglich, doch entsprechende Angebote gibt es an den Unis noch viel zu wenige. Und wenn es sie gibt, sind sie im Allgemeinen nicht verpflichtend. Das aber sollten sie sein! Forschung muss vermittelt werden, und Studierende müssen die Fähigkeit zur Vermittlung als verpflichtenden Teil ihrer universitären Ausbildung lernen. Die Welt wird sich weiterhin verändern. Und diejenigen, welche diesen Wandel erforschen, müssen in der Lage sein, vernünftig mit der Öffentlichkeit zu kommunizieren.

Mehr von Florian Freistetter: http://scienceblogs. de/astrodicticuM-siMple

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