Wir wollen deutlich mehr!

Die Fachhochschulen wollen mehr Studienplätze, mehr Doktoranden und mehr Forschung

Text: Dieter Hönig | aus HEUREKA 5/17 vom 25.10.2017

Sie haben eine Wahl, die Uni-Rektoren schon seit Jahren fordern: Fachhochschulen (FH) können sich ihre Studierenden aussuchen und müssen nur so viele aufnehmen, wie Studienplätze mit dem Gesetzgeber vereinbart sind. Dazu dürfen sie Studiengebühren einheben. Dies wirkt sich auch auf die Studiendauer aus: 77 Prozent aller FH-Studierenden sind in Mindeststudienzeit fertig, an den Universitäten hingegen ist es nur ein Drittel.

"Auftrag der Fachhochschulen ist und bleibt die berufsfeldbezogene Ausbildung auf Hochschulniveau", erklärt der Präsident der Fachhochschul-Konferenz Helmut Holzinger. Eine Besonderheit des FH-Bereichs sei das Studium für Berufstätige. Rund vierzig Prozent studieren berufsbegleitend an einer Fachhochschule. Fachhochschulen und Universitäten sollten sich auch in Zukunft deutlich unterscheiden, aber auf Augenhöhe kooperieren. Dazu braucht es eine starke Durchlässigkeit mit Kooperationsmöglichkeiten, ohne das jeweilige Profil zu verlieren und die Bildungsziele zu vermischen. So bleibt zu hoffen, dass man beim Wechsel von einer Fachhochschule zu einer Universität zwecks Doktorats Doktoranden nicht, wie früher geschehen, Steine in den Weg legt.

733 Doktoranden hatten per Februar 2017 ein Studium an einer Fachhochschule absolviert. Man fordert von der Politik jedoch mehr. Helmut Brandstätter vom Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft: "Zur Weiterentwicklung des wissenschaftlichen Personals an Fachhochschulen wurden eigene PhD-Programme gefordert. Der Prozess ,Zukunft Hochschule' hat dazu beigetragen, die Gesprächsbasis zwischen Fachhochschulen und Universitäten zu verbessern. Es gibt einige interessante Projekte, die gemeinsam entwickelt werden, auch auf Doktoratsebene. So könnten auch gemeinsame PhD-Programme geschaffen werden. Diese Entwicklungen sollten zunächst abgewartet werden."

Der Anteil an FH-Studierenden soll deutlich erhöht werden: 20 Prozent bis 2026 hält man für realistisch. Die Fachhochschul-Konferenz fordert ein jährliches Wachstum von zusätzlichen 1.200 Studienplätzen. "Statistisch gesehen, kommen drei Studierwillige auf einen Platz. Das allein zeigt schon das starke Interesse an einem FH-Studium", sagt Holzinger. Dazu meint Brandstätter, es sei ein erklärtes Ziel, den FH-Sektor auszubauen: "Der Ausbauplan 2018/19 mit 450 neuen Anfängerstudienplätzen ist im Vergleich mit den vorherigen Ausbauschritten ein deutliches Signal. Die weiteren Ausbauschritte werden im nächsten FH-Entwicklungs-und Finanzierungsplan festgelegt. Bei der Erarbeitung dieses Strategiedokuments ist in bewährter Weise auch die Fachhochschul-Konferenz eingebunden." Konkrete Zahlen könne man derzeit nicht nennen, da die erforderlichen Mittel mit dem künftigen Regierungsprogramm abgestimmt werden müssen.

Für Eva Werner, Rektorin der FH Krems, ist der mehrfach angesprochene Ausbau der Fachhochschulen zu wenig: "Es braucht Planungssicherheit für die Fachhochschulen, aber auch entsprechende finanzielle Mittel, denn die Qualität darf durch das Wachstum nicht zu kurz kommen. Da Fachhochschulen auch einen Auftrag zur Forschung haben, wäre eine Forschungsbasisfinanzierung mehr als nur wünschenswert." Diese sei deshalb so wichtig, weil Forschungskompetenz personelle Kontinuität voraussetzt, denn Forschungspersonal kann man nicht ausschließlich projektbezogen und damit zeitlich befristet beschäftigen. "Wir wollen Forschern eine langfristige Perspektive an der Hochschule geben", sagt Helmut Holzinger. Barbara Bittner, Rektorin der FH Campus Wien, spricht auch die Studienplatzfinanzierung an. Diese unterliege keiner Valorisierung, was dazu führt, dass steigende Kosten von den Hochschulen allein getragen werden müssen. Dies führe zu immer engeren Budgets und sei auf Dauer nicht tragbar. Bittners Vorschlag wäre eine entsprechende Valorisierungsautomatik, wie sie im Parteiengesetz 2012 bezüglich der Förderbeiträge vorgesehen ist. Das würde eine wichtige rechtliche und finanzielle Sicherheit bringen.

"Das Finanzierungsmodell der Fachhochschulen hat sich von Anfang an ganz bewusst von dem für die Universitäten unterschieden", erklärt Helmut Brandstätter vom Wissenschaftsministerium. "Der Bund fördert Fachhochschulen mittels einer Studienplatzfinanzierung. Die Lehre ist von Beginn an im Fokus gestanden. Zum Aufbau von Forschung wurden eigene Förderprogramme etabliert."

Die wichtigsten Förderprogramme für Fachhochschulen stellen die Programmlinien COIN-Aufbau, COIN-Netzwerke und die Josef-Ressel-Zentren dar. Zur Stärkung der Forschung sollte das Fördervolumen für kompetitiv vergebene Mittel bei spezifischen Förderinstrumenten entsprechend erhöht werden. Zudem könnten für bestehende und neue Forschungsprogramme an Fachhochschulen eine Overhead-Komponente eingeführt werden.

"Da Fachhochschulen auch einen Auftrag zur Forschung haben, wäre eine Forschungsbasisfinanzierung mehr als nur wünschenswert"

eva Werner, rekTorin Der FH kreMs

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