: AUSLANDSSEMESTER

Brief aus Cambridge, Großbritannien. Diesmal: Psychowochen

Erasmus-Stipendiat und Bachelor-Student Lukas Schöppl schreibt vom Jesus College der Universität Cambridge über britische Eliteausbildung

Lukas Schöppl | aus HEUREKA 5/17 vom 25.10.2017

Nach einer Woche in Cambridge kann ich eines mit Bestimmtheit sagen: Vieles hier ist anders als zu Hause. Linksverkehr, Baked Beans, viktorianische Architektur. Soweit, so britisch. Aber auch das Leben an der Universität ist anders. Man wohnt in einem College (in meinem Fall das Jesus College) und wird schnell Teil der regen Community dort. Während man an österreichischen Universitäten größtenteils anonym bleibt, hat man hier sogar College Parents (eine Art Buddy-Programm). Nach sieben Tagen kenne ich mehr Menschen beim Namen als nach einem Semester an der Uni Wien. Für das soziale Wohlbefinden wird also früh gesorgt.

Zusätzlich finden viele Vorträge zum Thema "Mental Health" an der Universität statt. Ausgerechnet in der "Freshers' Week", in der die Erstsemestrigen ihre Hirnzellen in Alkohol ertränken. In der Tat ist der Stellenwert, den das psychische Wohlbefinden in Cambridge hat, beachtlich. Die Studierenden der britischen Eliteuniversitäten Oxford und Cambridge gehören zu den unglücklichsten des Landes. Der Erfolgsdruck sowie der hohe Arbeitsaufwand sorgen für viel Stress und wenig Schlaf.

Deshalb sind "Oxbridge", wie die beiden Universitäten als Kofferwort bezeichnet werden, in den letzten Jahren in Sachen "Mental Health" offensiv geworden. Es werden mehrere Instanzen zur psychischen Betreuung angeboten. Eine erste Anlaufstelle ist die Studienvertretung, für schwerwiegendere Probleme gibt es Vertrauensprofessoren und -professorinnen, die spezielle Schulungen erhalten haben.

Zwar mögen österreichische Studierende durch den freien Hochschulzugang unter weniger Leistungsdruck leiden, trotzdem haben unsere Hochschulen in puncto psychologischer Versorgung Aufholbedarf.

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