: BIOLOGIE

Auch Pflanzen unternehmen etwas gegen Gedächtnisverlust

Das genetische Gedächtnis von Pflanzen wird unmittelbar nach der Erbgutverdopplung aufgefrischt, und zwar sehr viel schneller als bei Tieren

Jochen Stadler | aus HEUREKA 5/17 vom 25.10.2017

Selbst Pflanzen kommen nicht ohne Gedächtnis aus. Sie müssen sich an die optimalen Blütezeiten der vergangenen Jahre erinnern. Ein schnelles Auffrischen des genetischen Gedächtnisses direkt nach jeder Verdopplung ihres Erbguts sorgt dafür, dass sie beim Wachsen und Gedeihen nichts vergessen, berichten Wiener Forschende im Fachjournal Science.

Für das genetische Gedächtnis sind bei Pflanzen und Tieren Veränderungen an der Verpackung des Erbguts zuständig, also an den Histon-Eiweißstoffen, welche die DNA umhüllen. Danhua Jiang und Frederic Berger vom Gregor Mendel Institut für Molekulare Pflanzenbiologie (GMI) in Wien haben sich bei Tabakpflanzenzellen eine spezielle Veränderung genauer angesehen, die Gene ruhigstellt - unter anderem eines, das bei Pflanzen das Blühen unterbindet.

Die Forscher fanden heraus, dass diese Veränderungen unmittelbar nach dem Kopieren des DNA-Fadens für die Zellteilung vorgenommen werden, wenn er sogleich wieder wohlverpackt wird. Sie geschieht direkt am Ort der DNA-Verdopplung, was eine verlässliche Übertragung der Gedächtnisinformation auf den neu hergestellten DNA-Faden gewährleistet.

Dieser Prozess erfolgt bei Pflanzen deutlich schneller als bei Tieren. Dies sei auch notwendig, denn Pflanzenzellen sind etwa weit mehr in Gefahr, ihre Identität zu vergessen, da sie im Gegensatz zu tierischen Zellen ihr ganzes Leben lang Alleskönner bleiben.

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