Bei Bildungsthemen der Zukunft kleckert die Politik

Helmut Holzinger, Geschäftsführer der FH des bfi Wien und Präsident der Österreichischen Fachhochschul-Konferenz, über Forderungen der FH

aus HEUREKA 5/17 vom 25.10.2017

Herr Holzinger, was hat sich am Sektor Fachhochschulen zum Positiven verändert?

Helmut Holzinger: Durch den von Exminister Mitterlehner initiierten Prozess ,Zukunft Hochschule' wurde das wechselseitige Verständnis zwischen den Fachhochschulen und den Universitäten verbessert. Die Anzahl der institutionellen Kooperationen hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Die Zahl der FH-Studierenden ist gestiegen, ebenso die der Absolventen an den 21 Fachhochschulen. Im Jahr 2011/12 hatten hier 79.000 graduiert, im heurigen Studienjahr stieg die Zahl auf ca. 131.000.

Sie streben aber mehr an ...

Holzinger: Wir haben ganz klare Vorstellungen in die wissenschaftspolitische Debatte eingebracht. Die Fachhochschul-Konferenz fordert ein jährliches Wachstum von 1.200 zusätzlichen Anfängerstudienplätzen. Dadurch würde der Anteil der an Fachhochschulen Studierenden bis 2026 auf 20 Prozent steigen. Die Nachfrage nach Studienplätzen besteht. Von durchschnittlich drei Bewerbern und Bewerberinnen können wir nur eine Person aufnehmen.

Wie wirkt sich dies auf die Doktoratsstudien aus?

Holzinger: Da gibt es kein einheitliches Bild. Es bestehen regional aufgesetzte Kooperationen im Doktoratsbereich wie zwischen der FH Oberösterreich und der Uni Linz in Form des Joint-PhD-Programms "Digital Business International". Oder zwischen dem Management Center Innsbruck und der Uni Innsbruck sowie der FH Kufstein und der Uni Innsbruck. Bezogen auf ganz Österreich sinkt die Zahl der Doktoratsstudierenden mit FH-Abschluss. 2011 hatten 800 Doktoratsstudierende einen FH-Abschluss, 2015/16 waren es 733.

Führen Sie das auf eine fehlende Gleichbehandlung von FHs und Universitäten zurück?

Holzinger: Die Gleichstellung der Fachhochschulen mit den Universitäten ist vollzogen. Nur Doktoratsprogramme dürfen noch nicht eigenständig angeboten werden. Dafür kämpfen wir. Im 21. Jahrhundert ist ein offensiver FH-Ausbau notwendig. FH-Studien werden für Berufstätige angeboten. Daher muss die Zahl der neu finanzierten Anfängerstudienplätze auf 1.200 pro Jahr steigen. Während die wirtschaftliche Dynamik zunimmt und zusätzliche Studienmöglichkeiten gefragt sind,,kleckert' die Politik bei Zukunftsthemen im ,Klein Klein'.

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