: MIGRATION

Migration gibt es immer schon. Wir wollen sie auch in Europa besser verstehen

Über Jahrzehnte haben sich komplexe migrationspolitische Systeme zur Steuerung dieses globalen sozialen Phänomens entwickelt

Sophie Hanak | aus HEUREKA 6/17 vom 15.11.2017

"Wir haben an der Uni Oxford diverse migrationspolitische Instrumente und Maßnahmen untersucht und anhand länderübergreifender Daten herausgefunden, dass die Rolle der Migrationspolitik zur Steuerung von Migrationsströmen überschätzt wird", sagt Mathias Czaika, seit Kurzem Leiter des Departments für Migration und Globalisierung an der Donau-Uni Krems. Er war zuvor Direktor am International Migration Institute in Oxford.

"Es ist wichtig, Migrationsprozesse global zu untersuchen. Migration ist Teil sozialer Transformationen und wird durch Faktoren wie ökonomische Ungleichheit, soziale Netzwerke oder räumliche Unterschiede in Lebensund Bildungschancen angetrieben." Restriktive Maßnahmen wirken zwar migrationsreduzierend, führen aber auch zu unerwünschten Nebeneffekten wie der Zunahme irregulärer Zuwanderung.

Migration war und ist in allen Gesellschaften eine normale soziale Realität, auch in Europa. "Neu ist, dass sich Europa vom Abwanderungs- zum Zuwanderungskontinent entwickelt hat. Viele Menschen wollen heute ihre gesellschaftliche Homogenität und Identität bewahren, die sich zwar durch Zuwanderung verändert, aber viel mehr durch die fortschreitende Globalisierung und Pluralisierung beeinflusst wird. Migrationspolitik ist daher oftmals Symbolpolitik, die eher einem politischen als einem gesellschaftlichen Zweck dienen soll."

Mathias Czaika, Donau-Uni Krems

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