: MEERESBIOLOGIE

Kleine Putzerfische zeigen eine große Kundenorientierung

Sie bedienen pro Tag bis zu 2.000 Kunden und müssen dabei vorsichtig zu Werke gehen. Zwicken sie nämlich, haut der Kunde ab

Jochen Stadler | aus HEUREKA 6/17 vom 15.11.2017

Ein grätenharter Handel um diverse Reinigungsservices wurde im Indopazifik beobachtet: Putzerfische leben davon, dass sie ihrer Kundschaft Ungeziefer von den Schuppen fressen. Viel lieber aber würden sie an deren schützender Schleimschicht nagen, erklärte der Schweizer Ethologe Redouan Bshary am Rande des Biologicums in Almtal (OÖ). Die Unterwasserunternehmer und ihre Auftraggeber haben deshalb Strategien entwickelt, um bei den Geschäften auf dem "Putzerfischmarkt" gut auszusteigen.

Die besten Karten haben Raubfische, erklärt Bshary, der an der Universität Neuchâtel in der Schweiz forscht: "Ein Putzer, der nicht ordentlich arbeitet, sondern in den Schleim zwickt, ist potenzielle Beute." Das wollen die nur neun Zentimeter langen Putzerlippfische natürlich vermeiden, weswegen sie größeren Räubern gegenüber extrem kooperativ seien.

Andere Fische "erziehen" die Putzer. Werden sie gezwickt, jagen sie die Lauser und ahnden damit den Betrug. Die Putzerlippfische leben deshalb auch von ihrer Reputation, erklärte Bshary: Sie haben am Tag 2.000 Kundenkontakte, oft gibt es Warteschlangen. Währenddessen stehen sie unter Beobachtung. Ertappt ein Kunde die Reinigungsfachkraft beim Schleimschichtzwicken, haut er ab. Kommen zwei Kunden gleichzeitig, haben Fremde Vorrang. Die Stammklientel ist auf die lokale Putzerstation angewiesen und muss daher warten, während Laufkundschaft durch schnelles Drankommen neu gewonnen wird.

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