: WISSENSCHAFTLICHE BÜCHER AUS ÖSTERREICH

Empfehlungen von Erich Klein

aus HEUREKA 6/17 vom 15.11.2017

Südostdeutschland? Donaugermanien? Nein, Deutsch-Österreich

Am Anfang stand die Befreiung der Völker aus der k. u. k. Monarchie. Wie der übriggebliebene Rest heißen sollte, war unklar: "Südostdeutschland","Deutsche Alpenlande","Donaugermanien" standen unter anderem zur Auswahl. Am 12. November 1918 wurde die Republik Deutschösterreich ausgerufen. Dreiunddreißig Historiker schreiben über Politik und Wirtschaft jenes Staates, den keiner wollte. Ausgezeichnet die Porträts der wichtigsten politischen Akteure, zu kurz kommt die Kultur, der einzige Bereich, der tatsächlich von Bedeutung war. Eine Pflichtlektüre!

Stefan Karner (Hrsg.):

Die umkämpfte Republik

Österreich von 1918-1938

Studien Verlag 2017,384 S.

Kampf um Hausdiener für US-Diplomaten

Ein Teil seiner Dienerschaft war zum Kriegsdienst eingezogen. So schrieb der US-Botschafter am 8. Dezember 1914 an Außenminister Berchtold: "I can't very well live in Vienna as an ambassador unless allowed some servants." Derartige Episoden machen die Studie über die Beziehungen zwischen der Donaumonarchie und den USA zur lebendigen Lektüre. Hauptgegenstand sind die amerikanischen Diskussionen über "Slavs in Austria Hungary", die Bedeutung von Tomáš Masaryk und die Gründe, warum Washington am 7. Dezember 1917 Wien den Krieg erklärte.

Kurt Bednar:

Der Papierkrieg zwischen Washington und Wien 1917/18

Studien Verlag 2017,508 S.

Mit Camus und Heidegger im Gespräch

Der Weg des Dichter aus der Provence führt über Surrealismus und Kommunismus zum Kampf gegen die deutschen Besatzer im Zweiten Weltkrieg: Wie man das dichtet?"Es fällt Schnee im Maquis. Und es wird Jagd gemacht auf uns, unausgesetzt." Mit "Feuiletts d'Hypnos"(1946) schrieb René Char eines der wichtigsten Bücher des 20. Jahrhunderts. Er protestierte gegen de Gaulles Atomwaffen und Umweltzerstörung. Seine Gesprächspartner hießen Camus, Braque, Heidegger und Celan. Eine kleine und kompakte Kulturgeschichte Frankreichs.

Manfred Bauschulte:

René Char - Poet und Partisan. Eine Biografie

Klever Verlag 2017,270 S.

Mehr Mut (zur Muße) in der Bildung

Tests, Rankings, Tablets in der Volkschule - der Wiener Philosoph räumt mit den Schlagwörtern aktueller Bildungsdiskussionen auf und setzt provokant auf literarische Bildung. Bildung nicht als Wunderglaube, sozialer Kitt und Lösung aller Fragen, sondern als Beitrag zur Ausbildung eines "europäischen Bewusstseins". Wie wäre es mit einem Kanon europäischer Literatur und weniger "Professionalisierung" des Lehrberufes? Der Intellektuelle in dürftigen Zeiten fordert mehr Mut zur Muße und zur Politik in der Politik; kurz - sapere aude - Aufklärung!

Konrad Paul Liessmann:

Bildung als Provokation

Paul Zsolnay Verlag 2017, 138 S.

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