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Altruismus: Das Glossar

Jochen Stadler | aus HEUREKA 6/17 vom 15.11.2017

Altruismus Handlungen, die anderen mehr nutzen als einem selbst. Wurde bei Menschen und Tieren beobachtet. Gilt aber nur, wenn die Kosten wirklich permanent den Nutzen übersteigen und nicht in naher oder ferner Zukunft durch direkte- sowie indirekte Reziprozität, Nachbarschaftshilfe, Gruppen- und Verwandtenselektion oder Nepotismus wieder eingespielt werden sollen.

Darwin, Charles Britischer Naturforscher, der im 19. Jahrhundert erklärte, dass sich im harten Überlebenskampf "Jeder-gegen-Jeden" nur die fittesten Geschöpfe durchsetzen.

Dawkins, Richard Zeitgenössischer britischer Zoologe, der altruistisches Verhalten auf den Egoismus von Genen zurückführt, die sich bei selbstlosen Individuen in den Verwandten erhalten, weil diese von ihren Taten profitieren.

Direkt reziproker Altruismus Erklärt Kooperation mit der "Wie-du-mir-so-ichdir"-Strategie, also dass man jemanden hilft, um später etwas von derselben Person zurückzubekommen.

Egoismus Handlungsweise, die über kurz oder lang nur dem Akteur selbst hilft und allen anderen viel größeren Schaden zufügt, als sie jenem nützt.

Egozentrik Die Meinung, dass sich die Welt um einen selbst dreht. Geht sehr oft mit einem Mangel an Einfühlungsvermögen einher sowie einem Verfolgungswahn, weil man die Taten anderer übermäßig auf sich selbst bezieht.

Ehrenamt Engagement für meist unbezahlbar wichtige Dinge wie die Rettung Verletzter und Notfallspatienten, der Umwelt und die Unterstützung Jugendlicher auf ihrem Lebensweg und beim Erlernen von Sport.

Freunde Helfen einander aus Zuneigung und nicht, damit bald eine Gegenleistung zurückkommt.

Freundschaftsdienst Hilfe, weil man eine Gegenleistung erwartet, und nicht aus Zuneigung.

Gebote In allen möglichen Kulturen und Religionen verbreitete Grundsätze, die ein friedliches und produktives Zusammenleben gewährleisten sollen.

Gefangenendilemma Spieltheoretisches Modell, bei dem zwei Personen nach einer gemeinsamen Straftat gefasst und einzeln verhört werden. Wer gesteht und den anderen verpetzt, bekommt eine niedrigere Strafe, als wenn er dichthält, verhilft dem anderen damit aber zur Höchststrafe. Plaudern beide aus, sind die Sanktionen wegen der Geständnisse mittelmäßig schlimm. Damit können Verhaltensökonomen prächtig Kooperation erforschen.

Gemeinwohl Zieht das Gedeihen einer Sippe dem Wohle einzelner Individuen vor. Wird nicht selten zu erpresserischen, egoistischen Zwecken missbraucht.

Gesellschaft Eine Gruppe von Personen, die untereinander scheinbar mehr Gemeinsamkeiten haben als mit anderen. Oft sind diese aber nur sehr oberflächlich und konstruiert.

Gesetz Soll das Verhalten einer ganzen Gesellschaft zum Nutzen aller regeln, bevorzugt aber durch geplante Lenkwirkungen nicht selten bestimmte Gruppen.

Gruppenselektion Die Kooperation innerhalb einer Gruppe erhöht deren Chancen im Wettbewerb der natürlichen Selektion. Dadurch werden jene Gruppen in der Evolution bevorzugt, bei denen die Individuen einander möglichst viel helfen.

Hammurapi Babylonischer König, der mittels Codex die direkte Reziprozität nach dem Motto "Auge um Auge, Zahn um Zahn" in Strafen fasste.

Helfersyndrom Entsteht, wenn Helfen das Selbstwertgefühl bestimmt und das Gebrauchtwerden zur Sucht wird. Führt teils zu missionarischem, teils zu kontraproduktivem Eifer.

Indirekte Reziprozität Kooperationsformel, die den "Ruf" als Variable einschließt. Hilft man jemanden, steigt die Reputation, dadurch kann man eher die Unterstützung anderer erwarten.

Individualismus Stellt die einzelnen Akteure in den Mittelpunkt der Betrachtung und nicht die ganze Gruppe.

Kooperation Zweckgerichtetes Zusammenarbeiten zumindest auf eine gewisse Zeit, um Ziele zu erreichen, die für die einzelnen Akteure durchaus unterschiedlich sein können.

Krieg Annähernd perfekte Kooperation innerhalb einer Gruppe, um eine andere Gruppe niederzuringen.

Nachbarschaftshilfe Wenn benachbarte Individuen einander helfen, haben sie einen Evolutionsvorteil. Dies wird als "räumliche Selektion" bezeichnet.

Nepotismus, Vetternwirtschaft Ist eine Kooperation, die nur wenigen hilft.

Schadenfreude, gerechtfertigte Erleichterung, wenn ein Egoist sich durch seine Taten selbst mehr geschadet hat als anderen.

Spieltheorie Spielwiese für Mathematiker, um Entscheidungen von Menschen und anderen Organismen zu modellieren: Sie wollen damit die Mechanismen hinter den Entscheidungen sowie deren Folgen in der Evolution der Lebewesen ergründen.

Strafe Sanktion gegen ein Verhalten, das als Unrecht aufgefasst wird.

Survival of the fittest Von Darwin aufgestelltes Dogma, dass die am besten angepassten Arten alle anderen überleben.

Vampirfledermäuse Spenden Artgenossen von ihrer Blutmahlzeit, wenn diese hungrig geblieben sind.

Verwandtenselektion Hilft man engen Verwandten, die viele ähnliche Gene tragen, fördert dies die Verbreitung der eigenen Erbinformationen.

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