: JUNGFORSCHERINNEN

Zellen entsorgen ihren Abfall, indem sie ihn selbst verdauen. Mit den Mechanismen dahinter beschäftigen sich Forscher an den Max F. Perutz Laboratories der Uni Wien

Uschi Sorz | aus HEUREKA 6/17 vom 15.11.2017

Raffaela Torggler, 26 Ihr Interesse für Detailfragen führte sie im Biologiestudium schon bald zur Molekularbiologie. "Molekulare Zellbiologie fand ich letztlich am spannendsten", sagt sie. "Es ist faszinierend, wie eine Zelle alle Abläufe in sich selbst steuert und reguliert." Ihre Dissertation beschäftigt sich mit der körpereigenen zellulären "Müllabfuhr", genannt Autophagie. Seit dem Nobelpreis für Yoshinori Ohsumi für die Entdeckung ihrer Grundlagen ist sie in aller Munde. "Wenn sie nicht richtig funktioniert, kann das zu Krebs und neurodegenerativen Krankheiten führen", so Torggler. Sie forscht an einem zentralen Regulator dieses Prozesses, dem Protein Atg1. "Es sorgt dafür, dass Autophagie nur am richtigen Ort und zur richtigen Zeit ausgelöst wird." Das ist wichtig, damit die Zelle wirklich nur defekte Bestandteile und nichts Lebenswichtiges abbaut.

Levent Bas, 31 "Ich staune, wie all diese winzigen Mechanismen in unseren Zellen funktionieren und bin froh, an deren Erforschung beteiligt zu sein", sagt Bas. Nach dem Bachelor in Molekularbiologie und dem Master in Biochemie in Istanbul führte ihn sein Weg über Schweden nach Österreich, wo er nun in der Autophagie-Arbeitsgruppe von Claudine Kraft an seinem Doktor arbeitet. Dabei nimmt Bas vor allem den Transportweg des Zellmülls unter die Lupe: "Nachdem er als solcher erkannt worden ist, wird er in eine Art zellulären Müllsack, das Autophagosom, verpackt und dann zum Organell Lysosom gebracht, das für den Abbau verantwortlich ist." Um diesen Schritt studieren zu können, hat er eine neue Methode entwickelt. "Man muss viele kleine Forschungsergebnisse kombinieren, um komplexe Mechanismen zu verstehen."

David Hollenstein, 28 Obwohl er von der Handelsakademie kam, wollte er immer in die Naturwissenschaft. Seinen Master machte er in molekularer Biologie mit Schwerpunkt Biochemie an der Universität Wien. Eine prägende Zeit, weil sie ihn mit der Grundlagenforschung in Kontakt brachte. Als technischer Assistent bekam er die Möglichkeit, sich auf Massenspektrometrie zu spezialisieren. "Mit dieser Methode kann man die genaue Masse von Proteinen bestimmen", erklärt der Vorarlberger. "So kann man feststellen, welche Proteine in einer Probe vorhanden sind, oder die Proteinmenge zweier Proben vergleichen." Die Massenspektrometrie spielt auch bei seiner Forschung zur Autophagie eine wichtige Rolle. "Die ist ja ein komplexes Zusammenspiel von Proteinen. In meiner Dissertation untersuche ich das Netzwerk der beteiligten Interaktionen."

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