: START-UP

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Wie funktioniert eigentlich die digitale Nachlassverwaltung? Wer soll nach dem Sterben meine Daten erben? Mit solchen Fragen - und deren Antworten - befassen sich neue Beratungsunternehmen

Joshua Köb | aus HEUREKA 7/17 vom 06.12.2017

Jeder von uns hinterlässt Spuren im Netz. Und die bleiben. Während materielle Besitztümer unter den Angehörigen aufgeteilt und Erinnerungen im Gedächtnis bewahrt werden, existieren für den digitale Nachlass weder klare gesetzliche Regelungen noch gesellschaftliche Konventionen. Gleichwohl weiß inzwischen jeder, dass das Internet nicht vergisst.

Laut einer kürzlich präsentierten Studie des Digitalverbandes "bitkom" haben sich 18 Prozent bereits mit ihrer Erbregelung auseinandergesetzt. Relativ wenig bedenkt man, dass diese Thematik etwa zwei Dritteln der Befragten bewusst ist. Den größten Aufholbedarf haben Senioren und Jugendliche. Grundsätzlich gibt es vier Möglichkeiten für die Nachlassregelung: Erhaltung, Löschung, Archivierung oder Übertragung der Daten an Erben. ISPA, der Dachverband der österreichischen Internetwirtschaft, veröffentlichte kürzlich eine Orientierungsbroschüre mit hilfreichen Tipps und Checklisten.

"Das Themenfeld ,digitaler Nachlass' wird in der Zukunft fast jeden angehen, sei es als Erblasser oder als Hinterbliebener", sagt Dennis Schmolk. Umso wichtiger sei es jetzt, den Menschen einen "kontrollierten und aufgeklärten Umgang mit ihrem digitalen Leben zu ermöglichen". Nur so lasse sich der eigene digitale Nachlass selbst bestimmen.

Um das Gemisch aus Grauzonen, Unsicherheiten und Unwissenheit zu entwirren, hat Schmolk gemeinsam mit Sabine Landes die Plattform digital.danach gegründet. Beratung und Aufklärung sollen dabei helfen, dem Tod zuvorzukommen. "Unser Infoportal ist Anlaufstelle für Start-ups im Bereich digitaler Nachlass, aber auch für andere Unternehmer aus dem Bereich Tod und Trauer", so Schmolk. Anfragen würden etwa Bestatter, Hospize oder Trauerredner. Generell bemerke man eine wachsende Aufmerksamkeit für das Thema. Die beiden Initiatoren halten Vorträge vor Anwälten, Versicherungen, Friedhofsverwaltungen, Seniorenstiften und Volkshochschulen.

Ein Ausrufezeichen konnte man kürzlich mit der zweiten Ausgabe der Fachkonferenz "digina" im Microsoft Office in Schwabing bei München setzen. Zu den Teilnehmern zählten Microsoft, das Zentrum Digitalisierung.Bayern (ZD.B) sowie auf digitalen Nachlass spezialisierte Startups und Unternehmen wie Somnity, Memrange, Columba, Semno Consulting, Digital Heritage oder auch Digitales Erbe Fimberger. Diese Firmen kümmern sich in unterschiedlicher Weise um die letzten Wünsche ihrer Kunden.

Eine Nachlassregelung ist keine besonders attraktive Freizeitgestaltung. Wer es also langsam angehen möchte, kann zunächst beim Facebook-Account loslegen. Dort findet man unter den Einstellungen zur Kontoverwaltung die Möglichkeit zur Angabe eines Nachlasskontakts. Dort heißt es: "Ein Nachlasskontakt ist eine von dir ausgewählte Person, die im Todesfall dein Konto verwaltet. Diese Person kann beispielsweise einen Beitrag in deiner Chronik fixieren, auf neue Freundschaftsanfragen antworten und dein Profilbild aktualisieren." Der Nachlasskontakt kann bestimmen, ob das Konto in den "Gedenkzustand" versetzt oder gelöscht werden soll. Der "Gedenkzustand" ist so etwas wie ein Facebook-Grabstein, ergänzt durch den Zusatz "In Erinnerung an".

Kinder und Jugendliche, die einen nicht unwesentlichen Teil der Community bilden, können sich erst ab ihrem 18. Lebensjahr für einen Nachlasskontakt entscheiden. Wie viele den Dienst nutzen und wie die Wünsche der Verstorbenen garantiert werden können, ist nicht bekannt. Entsprechende Anfragen an Facebook blieben unbeantwortet.

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