: MEDIZIN

Ist meine Plazenta wirklich ein Superfood, oder essen das nur prominente Mütter?

US-amerikanische Jungmütter verspeisen nach der Geburt ihres Babys die Plazenta. Wohlstandskannibalismus, weil es so gesund sei

Barbara Freitag | aus HEUREKA 7/17 vom 06.12.2017

Eine Art moderner Aberglaube geistert durch die sozialen Netzwerke US-Amerikas: Prominente amerikanische Jungmütter raten zum Verzehr der Plazenta nach der Geburt eines Kindes. Entweder verarbeitet zu Globuli, oder gekocht als Speise. Rezepte finden sich genügend im Internet. Der Hintergrund um den Hype des abgestoßenen Gewebes liegt in der angeblichen Gesundheit, die von alternativmedizinischen und esoterischen Communitys behauptet wird. So soll die Plazenta wegen eines hohen Nährstoff- und Hormongehaltes für eine bessere Milchbildung der stillenden Mutter sorgen, präventiv gegen die Wochenbettdepression wirken und insgesamt neue Energie sowie eine raschere Rückbildung nach der Schwangerschaft bringen.

Wissenschaftlich belegt ist all das nicht. Der Gynäkologe Alex Farr von der MedUni Wien meint dazu: "Medizinisch gesehen ist die Plazenta ein Abfallprodukt. Nachdem sie genetisch zum Neugeborenen gehört, grenzt das Verspeisen an Kannibalismus." Auch Farr sieht keinerlei Hinweise auf medizinische Vorteile. "Im Gegenteil, denn die vermuteten Nährstoffe wie Eisen, Selen und Zink befinden sich in keinen ausreichenden Konzentrationen in der Plazenta. Es wurden jedoch hohe Konzentrationen von Schwermetallen festgestellt, die sich dort im Laufe der Schwangerschaft ansammeln. Und vor allem birgt der Verzehr, der meist in Form verarbeiteter Kapseln oder Globuli geschieht, auch ein Infektionsrisiko."

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