: ZOOLOGIE

Die Insekten sterben heute wie die Fliegen

Eine Studie zeigt einen dramatischen Rückgang der fliegenden Insekten in den letzten 27 Jahren in Deutschlands Naturschutzgebieten

Sophie Hanak | aus HEUREKA 7/17 vom 06.12.2017

Uns allen ist es wahrscheinlich schon in irgendeiner Weise aufgefallen: Es gibt weniger Insekten. Bei verschiedenen Tiergruppen wie Schmetterlingen oder Bienen wurde schon in früheren Studien gezeigt, dass ihre Zahl rückläufig ist.

Doch nun belegt eine Studie der Radboud University in den Niederlanden, dass nicht nur sensible Spezies wie eben Schmetterlinge davon betroffen sind, sondern die fliegende Insektengemeinschaft als Ganzes.

"Es ist sehr wichtig, dass diese Studie endlich einmal den Beweis dafür bringt, was schon lange vermutet wird: Dass die Zahl der Insekten besorgniserregend abgenommen hat", sagt Thomas Frank vom Institut für Zoologie der Universität für Bodenkultur BOKU. "Es gibt ja schon viele wissenchaftliche Studien, die das Vorkommen einzelner Arten untersuchen, aber keine, die die gesamte Biomasse behandelt."

Insekten erfüllen im Ökosystem besonders wichtige Aufgaben wie etwa die Bestäubung von Pflanzen. Durch die Insektenabnahme kann es zu geringerer Bestäubung und folglich zu starken Verlusten der Ernteerträge kommen. Auch fressen viele Insekten Schädlinge. Und sie dienen Vögeln und Fledermäusen als Nahrung. So hat der Schwund immense Auswirkungen. "Ich vergleiche das gern mit einem Mobile, an dem immer mehr Stücke abgeschnitten werden und so eine immer größer werdende Schieflage entsteht, bis irgendwann einmal überhaupt nichts mehr funktioniert. Insektensterben bedeutet, dass viele wichtigen Funktionen unserer Umwelt, die auch für den Menschen enorm wichtig sind, verloren gehen", so Frank.

Welche Gründe sind verantwortlich für die Abnahme der Insekten? Die Autoren der vorliegenden Studie gehen davon aus, dass der Klimawandel nicht der Grund ist. Wahrscheinlicher sind die intensive Landwirtschaft und der starke Einsatz von Insektiziden.

Weiters verlieren wir durch Verbauung und Versiegelung des Bodens immer mehr naturnahe Lebensräume - dies drängt den Lebensraum der Insekten zurück. "Es wäre immens wichtig, vermehrt naturnahe Lebensräume zu belassen, die Verbauung einzudämmen und Schutzgebiete einzurichten. Schon kleine Flächen können sehr schnell neu besiedelt werden. Die Landschaft sollte so gestaltet werden, dass Insekten gefördert werden, etwa durch Blühstreifen. Das öffentliche Grün muss zu einem öffentlichen Bunt verwandelt werden", meint Frank.

In letzter Zeit ist auch zu beobachten, dass nicht nur die Zahl der Insekten abnimmt, sondern auch immer öfter nur die selben Arten gefunden werden können. "Wir machen an unserem Institut ein Biodiversitätsmonitoring. Im Jahr 2007 wurden hundert Landschaftsausschnitte in Österreich bezüglich Habitat-Typen untersucht. Nach zehn Jahren gibt es wieder eine Untersuchung, um zu sehen, ob sich die Landschaftsstruktur und die Artenzahl von Pflanzen und Tieren verändert haben. Auf diese Ergebnisse bin ich schon sehr gespannt", sagt Frank. Leider ist zu befürchten, dass er und sein Team Ergebnisse erhalten werden, die uns wieder vor Augen führen, wie rücksichtslos wir die Insekten aus unserer Umwelt verdrängen - und damit unser gesamtes Ökosystem gefährden.

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