: VERKEHRSPLANUNG

Grantige Gesichter? Muss die Wiener U-Bahn sein

Dabei hätten die Wienerinnen und Wiener allen Grund, im Jubiläumsjahr mit ihrem schnellsten städtischen Beförderungsmittel zufrieden zu sein

Alexander Lass | aus HEUREKA /18 vom 28.03.2018

Die Wiener U-Bahn ist vierzig Jahre alt. Der Blick auf ihre Geschichte zeigt ein ambivalentes Verhältnis der Wiener Bevölkerung zu ihrer "Underground". Sie schimpft auf sie, aber sie nutzt sie auch immer mehr. Seit ihrer Eröffnung im Jahr 1978 wurden mehr als neun Milliarden Euro in das Verkehrsmittel investiert.

Am 26. Jänner 1968 beschloss der Wiener Gemeinderat den Bau des Wiener U-Bahngrundnetzes. Zehn Jahre später konnte man mit der U1 vom Karlsplatz zum Reumannplatz fahren. Im vergangenen Jahr war sie, die nun von der Leopoldau bis nach Alterlaa führt, mit 110 Millionen Fahrgästen die am stärksten frfequentierte U-Bahnlinie der Stadt.

Das Motto der Londoner Metro - "Wir möchten die Fahrgäste daran erinnern, dass ein Lächeln ein Zeichen der Freundlichkeit ist und kein Signal der Schwäche" - hat sich allerdings in den Wiener U-Bahnen noch nicht durchgesetzt. Grantiges Schauen ist das Merkmal fast aller U-Bahnbenutzer.

Der öffentliche Verkehr ist eines jener Elemente, die Wien zur lebenswertesten Großstadt der Welt machen. Auch heuer hat sie diesen Titel wieder bekommen. Bald soll die Fahrgastzahl von einer Milliarde pro Jahr erreicht werden, momentan sind rund 950 Millionen pro Jahr öffentlich unterwegs. 733.000 Jahreskarten wurden 2017 verkauft. Zu Zeiten der höchsten Auslastung sind 125 U-Bahngarnituren im Wiener Netz unterwegs. Dessen Ausbau und der des Verkehrsnetzes rund um die Stadt sichern viele Arbeitsplätze. Mit dem Bau des Linienkreuzes U2/U5 beginnt heuer ein wichtiges Verkehrsprojekt in Wien: Ab der Station Rathaus wird die U2 in Richtung Süden auf einer neuen Linie geführt. Die Strecke verläuft dann über die Stationen Neubaugasse, Pilgramgasse und Reinprechtsdorfer Straße bis zum Matzleinsdorfer Platz. Mit der U5 bekommt Wien seine erste vollautomatische U-Bahn. Sie wird die bestehende U2-Strecke zwischen Karlsplatz und Rathaus übernehmen und in einem ersten Schritt bis zum Frankhplatz verlängert.

Zum Linienkreuz U2/U5 sagt Wiener-Linien-Geschäftsführer Günter Steinbauer: "Wieder im Zentrum zu bauen, war eine mutige Entscheidung für die Zukunft der Stadt. Das Linienkreuz hebt das U-Bahnnetz auf eine neue Ebene: Stark frequentierte Linien werden entlastet, Kapazitäten für die wachsende Stadt geschaffen. Neue Verbindungen und Verkehrsknoten bringen kürzere Reisezeiten für alle Wienerinnen und Wiener." Nach rund fünfjähriger Bauzeit soll die U5 im Jahr 2024 den Betrieb aufnehmen.

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