: WISSENSCHAFTLICHE BÜCHER AUS ÖSTERREICH

Empfehlungen

Von Erich Klein | aus HEUREKA /18 vom 28.03.2018

Österreichs Eigenbaufaschismus

Löst die Übergabe des Dollfuß-Porträts an das Niederösterreichische Haus der Geschichte lästige Fragen nach dem Austrofaschismus, für den der christlich-soziale Ex-Bundeskanzler stand? Hier liest man, eingebettet in einen großen Bogen von der Weltwirtschaftskrise 1929 über den Bruch des Rechtsstaates 1934 bis zum "Anschluss" 1938, eindeutige Sätze wie: "Mit der Ermordung Dollfuß' durch Nationalsozialisten im Juli 1934 wurde der Austrofaschismus seiner unumstrittenen Führerfigur beraubt. Die realpolitischen Folgen waren allerdings überschaubar."

Emmerich Talos/Florian Wenninger, Das austrofaschistische Österreich 1933-1938, Lit Verlag, Wien 2017,200 S.

Nach über 25 Jahren ein neuer Status quo für Niederösterreich

Die letzten NÖ-Chronik erschien vor mehr als einem Vierteljahrhundert. Weitere Gründe für eine umfangreiche Neudarstellung: St. Pölten als Landeshauptstadt, der Fall des "Eisernen Vorhangs", der EU-Beitritt, die Gründung des landesweit ersten "Hauses der Geschichte". Beschrieben werden die historischen Entstehung Niederösterreichs als Kernland Österreichs, gesellschaftliche und kulturelle Entwicklungen, Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung. Schönster Abschnitt ist die umweltgeschichtliche Darstellung der "nützlichen Landschaft" um Wien.

Land Niederösterreich (Hg): Niederösterreich. Eine Spurensuche, Brandstätter Verlag, Wien 2017,608 S.

Heinrich Himmlers Kulturkommissionen in Südtirol und der Gottschee

Hitler und Mussolini einigten sich über die italienische Zukunft von Alto Adige, es fehlte nur noch eine letzte Bestandsaufnahme der deutschen Südtiroler vor ihrer Umsiedlung. Im Auftrag von Himmlers "Ahnenerbe" wurden von 1940 bis 1943 generalstabmäßig Lieder, Glaubens-und Aberglaubensvorstellungen der Südtiroler, ihre Bräuche, Tänze, Trachten und volkstümliche Architektur erforscht. Initiator des Ganzen war vermutlich Richard Wolfram, Volkskundler und Skandinavist, Mitglied der Waffen-SS und auch nach dem Krieg wieder Professor in Wien.

James R. Dow, Angewandte Volkstumsideologie, Studien Verlag, Innsbruck-Wien-Bozen, 2018,264 S.

Würdigung eines großen österreichischen Dichters

Der österreichische Dichter Franz Josef Czernin als Beispiel "schöpferischer Energie ohne Rücksicht auf Konvention, Buchmarkt oder bürgerliche Existenz". Seit vierzig Jahren ist der Nachfahre aller möglichen Avantgarden und der Wiener Gruppe tätig. Gewürdigt und erforscht wird der Shakespeare-Übersetzer und Essayist, der Metapherntheoretiker und Erfinder von "zungenenglisch", der Meister von Sonett und Terzine sowie der Aphoristiker, der einmal schrieb: "poesie: also ob rätsel dadurch gelöst würden, dass sie in geheimnisse verwandelt werden."

Thomas Eder (Herausgeber): Franz Josef Czernin Edition text + kritik, München 2017,248 S.

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