: BRIEF AUS CAMBRIDGE

Schnee und Streik an den Universitäten - eine englische Universitätsstadt erstarrt

Ende Februar überzog eine Kältwelle Großbritannien. Ein Streik gegen Pensionskürzungen für Universitätslehrer lässt Studierende zittern

Lukas Schöppl | aus HEUREKA /18 vom 28.03.2018

"Beast from the East." Dieser Name dominierte die letzten Wochen in britischen Medien und erinnerte an die Zeitungssprache des Kalten Krieges. Gemeint ist die Kältewelle, die das Vereinigte Königreich Ende Februar erzittern ließ. Schneefall und Minusgrade sorgten für Verkehrschaos und Katastrophenwarnungen. Als Österreicher kann man über die paar Zentimeter Neuschnee nur schmunzeln und sich höchstens darüber echauffieren, dass man "schneefrei" zu Hause noch nie erlebt hat.

Die kalten Temperaturen erreichten Cambridge, als bereits eine andere Form von Starre die Universitätsstadt befallen hatte: Streik - wie an insgesamt 64 Universitäten im Land. Grund dafür ist eine angekündigte Pensionsreform mit gravierenden Kürzungen der Pensionen des Lehrpersonals. Die in Großbritannien ubiquitäre Privatisierung hat also längst auch im Universitätssektor Einzug gehalten. So sollen künftig die Pensionsbeiträge an der Börse gehandelt werden. Die Verwirtschaftlichung der Universitäten ist nicht zu unterschätzen, die hohen Studiengebühren machen Bildung zur Ware für wenige.

Nun fürchten Studierende um ihre Zukunft. Vier Wochen Streik entsprechen in Cambridge einem halben Trimester. Die Mehrheit der Studierenden will die Professoren unterstützen, Solidarität zu bekunden fällt jedoch schwer. Viele Lehrveranstaltungen fallen aus, für die dennoch hohe Studiengebühren zu bezahlen sind. Für Verwirrung sorgen Professoren außerhalb der Gewerkschaft, die weiterhin Lehrveranstaltungen abhalten. Diese Uneinigkeit ist die größte Schwachstelle des Streiks. Die Streiklinie zu überqueren bedeutet an jedem Streiktag ein moralisches Dilemma, auch wenn man nur in die Bibliothek muss, um ein Buch zurückzugeben.

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