:GASTKOMMENTAR

Mit gebündelter Kraft in die Zukunft der Stammzellforschung

Jürgen Knoblich | aus HEUREKA /18 vom 28.03.2018

Die Stammzellforschung hat die Forschung in den letzten Jahren revolutioniert. Nicht nur die Medizin wird dabei in eine völlig neue Richtung gelenkt. Technologische Entwicklungen auf diesem Gebiet stellen auch einen immensen gesellschaftlichen Nutzen dar, in gesundheitlicher wie in wirtschaftlicher Hinsicht. Denn Stammzellen erlauben es, komplexe Vorgänge der Organentwicklung und die Entstehung von Krankheiten direkt im menschlichen Gewebe zu erforschen, neuartige Substanzen und Wirkstoffe viel schneller zu testen und damit Tierversuche zu reduzieren. Das Spektrum der österreichischen Forschungslandschaft ist dabei sehr vielfältig und erstreckt sich von Grundlagenforschung im Bereich der molekularen Biotechnologie über die Erforschung von Krankheiten wie Parkinson, Epilepsie und Herzmuskelschwäche bis zu klinischen Anwendungen.

Die am 20. März gegründete Österreichische Gesellschaft für Stammzellforschung soll nun die wichtigsten Akteure der nationalen Stammzellforschung vernetzen und eine Plattform für Wissenschafter, Patienten, Politiker sowie Ärzte schaffen. Weiters soll eine zentrale Öffentlichkeitsarbeit einen gesellschaftlichen Dialog ermöglichen, Bildungsinitiativen und Informationskampagnen mittragen und so die Sichtbarkeit der österreichischen Stammzellforschung stärken. Nur durch die aktive Einbindung aller Beteiligter und der breiten Öffentlichkeit können wir verantwortungsbewusste Innovation und langfristige Akzeptanz dieser spannenden Technologie gewährleisten.

Ich freue mich, dass u. a. Elly Tanaka vom IMP, Frank Edenhofer von der Universität Innsbruck und Markus Hengstschläger von der MedUni Wien im Gründungskomitee der Gesellschaft für Stammzellforschung vertreten sind. Unser Ziel ist es, die heimischen Akteure im Bereich der Stammzellforschung zu bündeln und ein breites Netzwerk für die Förderung der grundlagen-und anwendungsorientierten Stammzellforschung zu schaffen. In den letzten Jahren hat sich die österreichische Stammzellforschung zu einem Aushängeschild in der Scientific Community entwickelt. Als aktiver Forscher habe ich diese Entwicklung mitgestalten dürfen. So konnten wir etwa am IMBA mit der Entwicklung der Gehirn-Organoide einen wichtigen Meilenstein setzen. Außerdem wurde am IMBA ein einzigartiges Archiv aus haploiden Stammzellen entwickelt, um die Funktionen von Genen zielgerichteter und effizienter zu erforschen.

Auch in der klinischen Forschung gab es jüngst ein Erfolgsbeispiel unter Salzburger Beteiligung: Dank jahrelanger Grundlagenforschung konnte einem Jungen, der an der Schmetterlingskrankheit litt, über achtzig Prozent seiner Haut durch genetisch reparierte Hautstammzellen ersetzt werden. Ein medizinscher Meilenstein.

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