Emily Walton

: BRIEF AUS BRÜSSEL Bad English

aus HEUREKA /18 vom 28.03.2018

Schon außerhalb der EU-Blase wird einem in Brüssel schnell klar, dass die Sprache - besser gesagt: die Sprachen - der Schlüssel zur Integration sind. Ist do h Belgien ein entlang der Sprachgrenze tief gespaltenes Land. Wer hier als Zugereister nur Französisch spricht, wird von so manchem Flamen etwas argwöhnisch beäugt; und wer sich wiederum ganz ohne Französisch durchschlagen will, wird von vielen Wallonen wohl eher nicht mit offenen Armen empfangen werden.

Man merkt das übrigens auch ganz gut bei den Belgiern selbst: Jene, die sich als moderne Belgier oder gleich lieber als Europäer sehen und sich ergo nicht über ihre Sprache definieren (lassen) wollen, beherrschen meist beide Sprachen, Französisch und Flämisch, häufig auch Englisch, ein paar Brocken Deutsch und noch etwas dazu.

Wie die Sprache dazu dient, Menschen zusammenzubringen, hat sich innerhalb der EU-Blase nicht zuletzt an einer etwas kuriosen Episode gezeigt: Zwar wird in den Institutionen der Europäischen Union jedes wichtige Dokument, jede offizielle Sitzung übersetzt - und das nicht selten nicht nur auf Französisch, Englisch und Deutsch, sondern gleich in viele bis alle der insgesamt 24 Amtssprachen. Doch abseits der offiziellen Amtssprachen und des Übersetzungsdienstes hat sich eine inoffiziell-offizielle Umgangssprache durchgesetzt: "Schlechtes Englisch". Es wird von praktisch allen in Brüssel gut genug gesprochen und fast immer gut verstanden. Die einzigen, die damit regelmäßig Probleme haben, sind jene, die "echtes" Englisch zur Muttersprache haben.

Die Verbreitung dieses "Pidgin English" als Alltagssprache in den Institutionen ist so weit fortgeschritten, dass es seit einiger Zeit ein Kompendium dazu gibt, quasi ein "Wörterbuch der unechten und falsch verwendeten Wörter". Voll mit Begriffen, die sich auch in Dokumenten der Institutionen wiederfanden, die auch von praktisch allen gut verstanden wurden, die nur leider gar nicht oder mit anderer Bedeutung existieren.

Beispiele aus den häufig falsch verwendeten Vokabeln gefällig? - Das englische "actual" etwa wird gern als "aktuell" verwendet, heißt tatsächlich aber -"tatsächlich".

Fast noch "schöner": Mit "Agenda" bezeichnet man im Englischen eigentlich eine Liste an Vorhaben. Im Brüsseler Eurosprech ist damit jedoch meist der Terminkalender gemeint.

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