: EDITORIAL

Bist du dumm?

Christian Zillner | aus HEUREKA /18 vom 25.04.2018

Der britische Philosoph Andy Clark geht davon aus, dass unser Bewusstsein nicht nur zwischen den Ohren in einem Holzkopf sitzt, sondern in seine Umgebung hineinreicht und von dieser auch gespeist wird. In bezug auf KI fragt er sich, wieso das meiste davon so unglaublich dumm ist. "One possibility is that we simply misconstrued the nature of intelligence itself." Er geht davon aus, dass sie entstanden ist, weil wir der Gefahr entlaufen und uns ums Essen kümmern mussten.

Heute besorgt Letzteres ein Zustellservice, und die gefährlichen Viecher sehen wir nur noch im Fernsehen oder im Zoo. Vermutlich wäre ein erheblicher Teil von uns nichts als Beute, würde man uns den Beutegreifern vorwerfen. Zu fett und faul, um zu entkommen. Verglichen mit unseren Ahnen sind wir in solchen Situationen saudumm.

Clark würde sich vermutlich darüber am Kopf kratzen, aber ich postuliere einmal, dass Intelligenz eine finite Ressource ist. Je dümmer und gefährlicher unsere Umgebung ist, desto wacher und klüger müssen wir selbst sein. Und umgekehrt. Wer mit Laptop, Smartphone und Weißgottnochwelchenapparaten unterwegs ist, trägt den größten Teil seiner Intelligenz in Händen, nicht mehr im Kopf. Ganz im Sinne von Andy Clark.

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