: GASTKOMMENTAR

Wissenschaftliche Entwicklung: Chancen muss man nutzen

Klement Tockner ist Präsident des FWF

Klement Tockner | aus HEUREKA /18 vom 25.04.2018

Österreich hat ein großes, kreatives Potenzial und kann ohne Zweifel zu einem der attraktivsten Länder für Forschung, Ausbildung und Innovation in Europa werden - und es auch bleiben.

So schmerzt es umso mehr, wenn dieses Potenzial nicht zur Gänze ausgeschöpft wird. Derzeit verlieren wir viele unserer besten wissenschaftlichen Köpfe, in erster Linie Nachwuchswissenschafter. In der Tat: Wir sind ein Netto-Exportland an Talenten.

Mit all diesen Forscherinnen und Forschern, die heute unser Land verlassen, weil sie woanders bessere Bedingungen vorfinden, verlieren wir ein Stück Zukunft. Dieser "brain drain" bedroht Österreichs Wohlstand und Innovationskraft in einer Phase, in welcher der globale Wettbewerb um die besten Köpfe voll entbrannt ist. Die besten Talente gehen dorthin, wo Reputation, Forschungsförderung und eine wissenschaftsaffine Kultur besonders stark ausgeprägt sind.

Sämtliche Innovationsführer investieren überproportional in die Grundlagenforschung, was entscheidende Durchbrüche sowohl in der Wissenschaft als auch in der Wirtschaft ermöglicht.

Auch in Österreich räumt das ambitionierte Regierungsprogramm der Forschung, insbesondere der Spitzenforschung und dem fairen, transparenten und qualitätsgetriebenen Wettbewerb die erforderliche Priorität ein.

Nun gilt es jedoch, dem geschriebenen Wort konsequent Taten folgen zu lassen! Sonst droht Stillstand.

Und Stillstand bedeutet in der Forschung Rückschritt, da sich andere Länder -und nicht nur die derzeitigen Innovation Leader -rasch weiterentwickeln. Das sieht man nicht zuletzt auch in zahlreichen europäischen Ländern, die derzeit massiv aufholen, wie etwa Estland, Slowenien oder Tschechien.

Nimmt man die Niederlande als Vorzeigebeispiel für ein leistungsfähiges wissenschaftliches und wirtschaftliches Land, so findet man dort alle dreizehn Universitäten unter den besten hundert in Europa. Auch die Anzahl der ERC Grants ist proportional doppelt so hoch wie in Österreich, und die niederländische Wirtschaft boomt. Dem vorangegangen sind allerdings mutige Maßnahmen, die mehr direkte Förderung, mehr qualitätsgetriebenen Wettbewerb in der Forschung und eine klare Profilbildung in der Forschungslandschaft mit sich brachten.

Ich bin davon überzeugt, dass auch Österreich diesen Schritt gehen wird, ja dringend gehen muss. Eckpfeiler sind eine massive Steigerung der kompetitiven Forschung, ein international ausgerichtetes Exzellenzprogramm, der weitere Ausbau einer international konkurrenzfähigen F&E-Infrastruktur sowie ein nachhaltiges Forschungsfinanzierungsgesetz. Die Pläne für ein forschungsstarkes Österreich liegen am Tisch, und wir müssen diese Chance jetzt ergreifen.

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