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Ein Hightech-Eingriff stellt fehlende Ohrmuschel wieder her

Dieter Hönig | aus HEUREKA /18 vom 25.04.2018

Manche Kinder werden bereits mit deformiertem Außenohr ("Mikrotie") geboren. Das kann von funktional nicht beeinträchtigenden Anomalien bis hin zum völligen Fehlen der Ohrmuschel reichen. "Entwicklungsgeschichtlich ist das Fehlen der Ohrmuschel mit einer Gehörgang-Atresie (Verknorpelung zwischen Innen-und Außenohr) sowie mit einer Fehlbildung des Mittelohrs assoziiert. Das schränkt dann die Hörfähigkeit beträchtlich ein", erklärt der HNO- Experte J. Sasan Hamzavi. Er wechselte kürzlich von der MedUni Wien ins neue Kopf-Hals-Institut am Evangelischen Krankenhaus Wien. "Diese Patienten leiden an zweierlei Problemen: an der funktionellen Behinderung sowie am äußeren Makel der fehlenden oder verkümmerten Ohrmuschel", erklärt Hamvazi.

Die Ohrmuschelrekonstruktion gilt als einer der schwierigsten chirurgischen Eingriffe. Derzeit werden an spezialisierten Zentren zwei Hightech-Methoden praktiziert: Die Gehörgangrekonstruktion mittels Rippenknorpel sowie die Medpor-Technik. Bei letzterer wird ein synthetisch hergestelltes Gerüst zur Rekonstruktion der Ohrmuschel eingesetzt und in einen sogenannten Faszienlappen eingehüllt.

Bei der Rekonstruktion mithilfe von Knorpelmasse aus den Rippen können auch sehr komplexe Fehlbildungen des Gehörgangs in mehreren Schritten korrigiert werden. Und da, so Hamzavi, körpereigene Materialien verwendet werden, gibt es auch weniger Komplikationen. Allerdings sollte diese OP-Technik erst ab dem achten Lebensjahr angewendet werden.

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