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Energetiker

Florian Freistetter | aus HEUREKA 2/18 vom 25.04.2018

Im Wiener Krankenhaus Nord gab man 95.000 Euro aus, um einen "energetischen Schutzwall" einzurichten. ÖVP-Nationalratsabgeordneter Peter Haubner ist zertifizierter Wünschelrutengeher. Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck war Besitzerin eines Gewerbescheins für Energetik. Gerhard Köfer (bis 13. April Kärntner Landesrat für Straßenbau und Fischerei) geht wieder seinem Beruf nach - als Energetiker. Vizekanzler Strache hat Probleme, die Erkenntnisse der Klimaforschung anzuerkennen.

Diesen Beispielen aus der Gegenwart könnte man jede Menge andere aus der Vergangenheit folgen lassen (etwa die Unterstützung astrologischer Publikationen durch die frühere Wissenschaftsministerin Elisabeth Gehrer und ihren Nachfolger Johannes Hahn). Österreichs Politikerinnen und Politiker scheinen ein Problem mit der Irrationalität zu haben.

Ein Problem, das sie mit einem relevanten Teil der Bevölkerung teilen. Astrologie, Homöopathie, Energetik, Esoterik und Pseudowissenschaften sind in allen Gesellschaftsschichten beliebt. Insofern ist es nicht überraschend und vielleicht sogar verständlich, dass dieser Teil Österreichs auch entsprechend politisch repräsentiert wird. Was die Sache allerdings nicht weniger problematisch macht. Politikerinnen und Politiker sollten im Idealfall ihre Entscheidungen aufgrund von objektiven Fakten treffen und nicht anhand wissenschaftlich unhaltbarer Weltbilder. Aber die Realität ist eben nicht ideal.

Es braucht keine spezielle Ausbildung, um aktiv an der Politik teilzunehmen. Das ist auch gut so, denn die politischen Ämter sollten allen Menschen gleichermaßen offen stehen (was natürlich auch wieder eine Idealvorstellung ist). Aber wenn jemand ein politisches Amt innehat, dann spricht eigentlich nichts dagegen, verpflichtende Weiterbildungen zu fordern.

In einer Welt wie der unseren, die so sehr von den Erkenntnissen der Wissenschaft geprägt ist, sollten alle Entscheidungsträger zumindest Grundlegendes über Wissenschaft kennen. Was die Politikerinnen und Politiker mit diesem Wissen anfangen, ist natürlich eine ganz andere Sache. Aber sie sollten vom Unterschied zwischen Wissenschaft und Esoterik zumindest einmal gehört haben.

Mehr von Florian Freistetter: http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex

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