: BRIEF AUS BRÜSSEL

Moral

Emily Walton | aus HEUREKA 2/18 vom 25.04.2018

Es böte sich an, an dieser Stelle den (bösen) Gedanken freien Lauf zu lassen zum Thema Brüssel, Bürokratie, Intelligenz, künstliche Intelligenz, Intelligenzkünstler - Sie sehen, wohin die Gedankenreise führt. Doch dafür ist das Thema Künstliche Intelligenz zu wichtig, zu ernst - und noch dazu ganz aktuell in Brüssel präsent.

Beim "Digitalen Tag" Anfang April in Brüssel war die Künstliche Intelligenz eines der Hauptthemen. Gerade erst im März hatte die EU-Kommission bekannt gegeben, dass sie eine Expertengruppe einrichtet, die bis Jahresende einen Vorschlag für "Leitlinien zur Ethik in der Künstlichen Intelligenz" ausarbeiten soll. Andrus Ansip, Kommissionsvizepräsident für den digitalen Binnenmarkt, erklärte dazu:

"Voraussetzung für die Entwicklung Künstlicher Intelligenz sind Daten, Superrechner und mutige Investitionen, flankiert von einer breiten öffentlichen Debatte und der Achtung von Ethikgrundsätzen. Vertrauen ist die Voraussetzung für die Nutzung von Technik."

Das ist trotz klassischen Polit-Sprechs inhaltlich eine spannende Ansage. Europa droht aus Sicht vieler Experten beim Thema Künstliche Intelligenz technologisch gesehen den Anschluss an die USA und an China zu verpassen. Kann man den technischen Rückstand wettmachen, indem man bei der Ethik zum Vorreiter wird?

Das mag nach Wunschdenken der Brüsseler Behörde klingen: Das gute, alte Europa sichert sich seine Macht nicht durch militärische Kraft oder technologischen Vorsprung, sondern dank seiner moralischen Integrität: So würden das manche in der EU gern haben, nicht nur in den Institutionen rund um den Schuman-Platz.

Tatsächlich könnte die Zeit aber reif sein, den ethischen Aspekt bei der technischen Entwicklung (wieder) in den Vordergrund zu rücken. Nicht zuletzt in Anbetracht der aktuellen Debatte um die (illegale?) Nutzung der Facebook-Daten von zig Millionen Nutzern durch Cambridge Analytica im US-Wahlkampf 2016, wobei offenbar nicht einmal Facebook selbst genau weiß, welche Daten die Firma genau abgesaugt hat.

Ein - wenn's denn wahr wird - erstes gutes Zeichen ist jedenfalls, dass Mark Zuckerberg soeben angekündigt hat, dass seine Firma Facebook gerade dabei ist, weltweit strengere Regeln beim Datenschutz anzuführen. Nach welchem Vorbild? Richtig: Nach der EU-Datenschutzrichtlinie.

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