: MEDIZIN

Infundierte Tumorzellen wandern schon innerhalb von 48 Stunden aus

Tumorzellen verbreiten sich über Lymphknoten im Blutkreislauf, wie neueste Forschungen an Mäusen ergaben

Barbara Freitag | aus HEUREKA /18 vom 25.04.2018

Die Metastasen eines bösartigen Primärtumors entstehen, wenn die Tumorzellen in die Blutbahn gelangen. In der medizinischen Forschung galt bisher, dass ihr Weg dorthin entlang der Lymphgefäße verlaufe, und zwar der Reihe nach von einem Lymphknoten zum nächsten. Der Sentinel-Lymphknoten ist jener, der unmittelbar neben dem Primärtumor liegt.

Bei Brustkrebs sind Größe und Anzahl der Tumorabsiedlungen in den tumornahen Lymphknoten ein wichtiger Prognosefaktor für die Entwicklung von Metastasen in beispielsweise Lunge, Gehirn und Knochen. Mangels genauer Kenntnisse um die Verbreitungswege ist es bisher nicht möglich, die Besiedlung der Lymphknoten durch Tumorzellen zu verhindern.

Ein Forscherteam der MedUni Wien in Kooperation mit dem IST Austria überprüfte die bisherige Erkenntnis im Mausmodell. Dabei wurden fluoreszierend markierte Zellen eines Mammakarzinoms direkt in Lymphgefäße von Mäusen infundiert und ihre Ausbreitung in den angeschlossenen Lymphknoten verfolgt.

Innerhalb von 48 Stunden bildeten die infundierten Tumorzellen im Lymphknoten molekulare Anzeichen erhöhter Aggressivität aus, verließen den Tumorverband und konnten in spezielle Blutgefäße des Lymphknotens eindringen. Nach dieser kurzen Zeit zirkulieren die Tumorzellen also bereits im Blutgefäßsystem und formen Lungenmetastasen.

Die Forscher gehen davon aus, dass eine derartige Eintrittspforte von Tumorzellen in das Blutgefäßsystem auch beim Menschen vorliegt. Diese fundamentale Erkenntnis könnte der Ausgangspunkt zur Entwicklung konzeptionell neuer, zielgerichteter therapeutischer Maßnahmen sein. Die Studie wurde im Wissenschaftsmagazin Nature publiziert.

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