: GEOGRAFIE

Entsteht am Großglockner ein neuer Gletschersee?

Der Klimawandel hat die Entwicklung neuer Gletscherseen beschleunigt. Computermodelle zeigen eine Steigerung um den Faktor acht

Jochen Stdaler | aus HEUREKA /18 vom 30.05.2018

Seitdem sich die "Kleine Eiszeit" Mitte des 19. Jahrhunderts verabschiedet hat, schrumpfen in Österreich die Gletscher. "Ihr Schmelzwasser gebar 250 neue Seen", erklärte der Geograf Jan-Christoph Otto kürzlich bei der Klimatag-Konferenz in Salzburg. Die meisten von ihnen entstanden aber in jüngster Zeit durch die globale Erwärmung. In nächster Zeit werden etwa am Großglockner noch einige dazukommen, prophezeit der Wissenschafter des Fachbereichs Geografie und Geologie der Universität Salzburg. Otto hat mit Kollegen die Entstehung der Gletscherseen in den vergangenen 170 Jahren in den österreichischen Alpen zurückverfolgt und mit Computermodellen untersucht, wo in Zukunft welche zu erwarten sind. "In den Gletschervorfeldern haben sich seit dem Ende der bis dato letzten Kälteperiode ständig neue Seen gebildet, besonders viele davon aber erst ab den 1980er Jahren", sagte er.

Die Seenentwicklung geschieht seitdem achtmal so rasch wie zuvor. Dies sei wohl auf den rasanten Anstieg der Jahresmitteltemperatur in Höhenlagen wegen des Klimawandels zurückzuführen, was Gletscher dramatisch schnell schmelzen lässt.

In den nächsten Jahrzehnten werde sich der Trend wohl fortsetzen: "Zum Beispiel in der Pasterzenzone am Großglockner wird unter Umständen ein See entstehen."

Die Touristen können dann statt des größten österreichischen Gletschers einen Bergsee besuchen.

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