: BRIEF AUS BRÜSSEL

Datenschutz

Emily Walton | aus HEUREKA /18 vom 30.05.2018

Mitunter begegnet einem Brüsseler die Politik auch an Orten, an denen man sie nicht erwartet hätte: Ich war gedanklich statt bei Brüsseler Bürokraten bei bösen Beißern, als ich unlängst in einer österreichischen Apotheke stand, um Impfstoff für die Auffrischung meiner Zeckenschutzimpfung zu besorgen. Da war sie: die europäische Datenschutzverordnung. Genauer gesagt: Ein Hinweis darauf, dass sie bald in Kraft treten würde. Formuliert war das Ganze nicht nur relativ kompliziert, sondern auch mit einer gewissen Tendenz, die sich verknappt so zusammenfassen ließe: "Die EU" hat was beschlossen; keiner weiß genau, was es soll; wenn wir nicht aufpassen, müssen wir Ihnen leider Ihre Apotheken-Treuekarte wegnehmen.

Nach einem kurzen Gespräch mit der Apothekerin stellte sich heraus: Wie viele andere Unternehmen müssen auch Apotheken wegen der neuen EU-Datenschutzverordnung, die Ende Mai in Kraft tritt, ihre Kunden (wieder)darüber informieren, welche Daten sie -in diesem Fall für die Stammkundenkarte -von ihnen sammelt, was sie damit macht, und dazu das (neuerliche) Einverständnis der Kunden einholen.

Nun hätte ich meine Apotheke nicht gerade im Verdacht, meine Daten zu finsteren Zwecken zu missbrauchen oder weiterzuverkaufen. Ich hatte mir aber, bis zu diesem kompliziert formulierten Schild, auch noch nie wirklich Gedanken darüber gemacht, welche Daten ich meiner Apotheke freiwillig überlassen hatte. Auch nicht darüber, ob sie diese Daten überhaupt braucht, was sie damit macht, und ob ich das (Treuekarte hin oder her) überhaupt will. Die Apothekenkarte habe ich (vorerst) übrigens behalten und mir fest vorgenommen, bei anderen Stammkundenkarten, Newslettern, Apps usw. künftig genauer zu lesen, statt reflexartig "Ja, ich stimme zu" anzukreuzen, nur um zu Jahresende ein paar Prozent Rabatt zu bekommen.

Ein paar Gedanken, die mir am Weg von der Apotheke durch den Kopf gegangen sind: Die meisten Kunden werden derlei Hinweistafeln nicht hinterfragen, würden die Sache aber positiv(er) sehen, wenn sie wüssten, worum es geht. Was den meisten Firmen wahrscheinlich gar nicht so recht wäre, weil sie dann vielleicht tatsächlich ihren Datenhunger erklären müssten -und es nicht einfach auf "die EU" schieben könnten.

Ein Rezept dagegen? Hat leider auch meine Apothekerin keines.

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