: ANTHROPOLOGIE

Rivalität ruiniert die Gesellschaft, Kooperation hält sie zusammen

Ob Rivalität oder Zusammenarbeit zwischen Menschen die Oberhand gewinnt, wird von der Umwelt und der Populationsgröße bestimmt

Jochen Stdaler | aus HEUREKA /18 vom 30.05.2018

"Unsere Leut' zuerst" ist in der aktuellen Politik in und bringt Wählerstimmen. Praktisch umgesetzt,führt der Satz aber in den Untergang, meinen Kooperationsforscher.

Der österreichische Biomathematiker Martin Nowak, der an der Harvard University arbeitet, hat mit Kollegen des Institute of Science and Technology IST Austria in Klosterneuburg die Ergebnisse von Studien zu spieltheoretischen Modellen über Kooperation zusammengefasst.

Interagieren mehrere Einzelpersonen oder Bevölkerungsgruppen wiederholt miteinander, gibt es demnach zwei Hauptstrategien: Erstens kann man partnerschaftlich agieren und einen gemeinsamen Gewinn gerecht teilen. Zweitens gibt es den Typus des "Rivalen". Solche Zeitgenossen wollen stets ihre eigene Ausbeute maximieren, agieren erpresserisch und sind nur zufrieden, wenn sie mehr bekommen als andere. Partnerschaft bringt stabile Kooperation hervor, Rivalität Zerstörung, erklären die Wissenschafter im Fachmagazin Nature Human Behaviour.

Welche dieser Verhaltensmuster sich durchsetzt, wird von der Umwelt bestimmt. Bei kleinen Populationsgrößen, und wenn die Beteiligten nur selten miteinander zu tun haben, kann Rivalität in "Wild-West-Manier" schnell überhand nehmen. Sind die Bevölkerungsgruppen groß und die Beziehungen stabil, wie in der modernen, global vernetzten Welt, werden eher partnerschaftliche Strategien gefördert.

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