: BRIEF AUS CAMBRIDGE

Einmal die Sau rauslassen wie die alten Römer oder die Amis beim Springbreak

Das Studienjahr in Cambridge kennt auch den Caesarian-Sunday. Nein, dabei werden keine Kaiserschnitte, sondern Alkoholexzesse vollzogen

lukas schöppl | aus HEUREKA /18 vom 30.05.2018

Sonntag, 6. Mai 2018: Caesarian-Sunday in Cambridge. Die "Caesarians", die Drinking Society des Jesus Colleges, veranstalten jährlich am ersten Sonntag im Mai ein Saufgelage wie im alten Rom. Cambridges Drinking Societies sind konservative Tunichtgut-Bündnisse. Ähnlich den Fraternities und Sororities an amerikanischen Universitäten zählen sie auch entweder nur männliche oder nur weibliche Mitglieder. Ihr Party-Kodex widerspricht eigentlich sämtlichen Richtlinien und Maximen des Universitätsprofils wie Toleranz und Professionalität. Dennoch werden sie geduldet. Am Caesarian-Sunday halten die Trinkclubs ihre Initiationsriten ab und feiern anschließend auf einer Wiese. Sogar Nicht-Mitglieder sind an diesem feuchtfröhlichen Tag eingeladen -und erscheinen zahlreich. Das berüchtigte Event gilt unter den Studierenden als letzte Möglichkeit, vor den anstehenden Prüfungen noch einmal die Sau rauszulassen. Das alkoholische "Hard Reset" schafft Platz im Kopf und wird von manchen willig vollzogen, von anderen gemieden. Am Tag danach beklagt einer meiner Kollegen seine Kopfschmerzen. Er kann sich nur an wenig erinnern. Der Alkohol versperrt scheinbar den Zugang zu manchen Erinnerungsdaten im Hirn. Wohl eine besondere Form der Caesar-Verschlüsselung. Wer sich erinnern kann, war nicht dabei. Jetzt, nach dem Caesarian-Sunday, pauken alle Cambridge-Studenten wieder in der Bibliothek und sammeln Daten. Für die Prüfungen natürlich.

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