: ANTHROPOLOGIE

Feldarbeit und Getreide mahlen: So bekamen Frauen Muskeln

Ganz ohne Kälbermastmittel und Fitnesscenter: Prähistorische Frauen hatten kräftigere Arme als heutige Spitzensportlerinnen

aus HEUREKA /18 vom 27.06.2018

Die Steinzeit-Routine war schweißtreibend. Auch für Frauen. Das wurde lange unterschätzt. Zumindest haben bioarchäologische Studien bislang ausschließlich Frauen-mit Männerknochen verglichen. Doch männliche Knochen reagieren viel drastischer auf Belastung als weibliche. Der Anthropologe Ron Pinhasi von der Universität Wien hat nun gemeinsam mit Kollegen von der Universität Cambridge die Knochen prähistorischer Frauen mit denen heutiger verglichen. Das Ergebnis: Frauenarbeit muss zurzeit der Entstehung der Landwirtschaft strapaziöser gewesen sein als die Anforderungen an heutige, moderne Topsportlerinnen.

Die Forscher analysierten die Oberarm-und Schienbeinknochen von Sportlerinnen wie Ruderinnen oder Läuferinnen sowie von eher unsportlichen Frauen aus unserer Zeit. Die jeweiligen Knochenstärken verglichen sie mit der von Frauen aus der neolithischen landwirtschaftlichen Ära bis hin zu mittelalterlichen Bäuerinnen.

Während die Beinknochen der neolithischen Frauen ähnlich stark waren wie die heutiger Athletinnen, waren ihre Armknochen um elf bis 16 Prozent stärker. Eine Erklärung könnte neben der Feldarbeit das stundenlange Getreidemahlen sein. Ausgeführt von Hand zwischen zwei großen Steinen, bringt das mehr als das härteste Training im Spitzensport. Von den Couch-Potatoes mit oder ohne elektrische Getreidemühle wollen wir erst gar nicht reden.

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