: WAS AM ENDE BLEIBT

Denkmäler

Erich Klein | aus HEUREKA /18 vom 27.06.2018

Als er als Kind einmal ins Kino ging, sah er das hohe schwarze Portal der Z-Filiale auf der Wiener Mariahilfer Straße am regennassen Asphalt glänzen. Es war ein urbaner Eindruck, sagte der Architekt C. Jahre später. Das Erlebnis lag noch vor dem Jahr 1945.

Danach folgten in Österreich Trümmer-Narrative aus dem Geist des Wiederaufbaus. Die Z-Filiale, ein elegantes Relikt aus einer untergegangenen Welt, wäre dem Nachkriegsneubaufuror zum Opfer gefallen, hätte nicht Architekt K. beharrlich auf ihren kulturgeschichtlichen Wert hingewiesen. Nach jahrelangem Disput anerkannte der Denkmalschutz "auf Grund eines Fetzen Papiers", wie K. sagt, die Autorenschaft des Architekten Adolf Loos.

K. und C., während der Nazizeit aufgewachsen, durften sich guten Gewissens als "weiße" Generation verstehen. Als Architekten bemühten sie sich aktiv um vergessene Traditionen des "besseren" Österreichs. Geschichte verstanden sie nicht als Verkitschung imperialer Vergangenheit zu Tourismuszwecken. Auch scheuten sie nicht den kritischen Umgang mit der jüngsten Katastrophengeschichte.

K. erkannte schon in den 1950er Jahren die Bedeutung der Wiener Flaktürme, zeichnete und vermaß sie. C. trat mit deren Erbauer direkt in Kontakt. Im Zuge städtebaulicher Überlegungen war die künftige Rolle der Flaktürme zu klären. Die Beteuerung, es habe sich um bloße Verteidigungsanlagen gehandelt, stellte C. nicht zufrieden -er konstatierte deren ideologische Funktion. Als Pragmatiker verglich er sie mit der Salzburger Festung. Auch von dort aus sei die Bevölkerung unterdrückt worden.

K.s Vorschlag einer künftigen Nutzung als Hubschrauberlandeplatz machte die Betonmonster für Generationen von Architekturstudierenden zum Diskussionsgegenstand.

Nach heutigem Maßstab sind beide Positionen politisch nicht ganz korrekt. Überdies hat sich die Spirale der Geschichtspolitik vielfach weitergedreht. Statt dem direkten Umgang ist authentische Inszenierung angesagt.

Die hatte C. vor Jahrzehnten schon mit dem Anbau eines "Hitler-Balkons" vor dem Rathaus vorgeführt. Wer ihn betrat, fand sich fast an derselben Stelle wieder wie Hitler bei einer seiner Anschluss-Reden. Solch Authentizität erhofft sich heute auch das Haus der Geschichte mit dem Balkon auf den Heldenplatz. Der Vorschlag des siebenundachtzigjährigen K. ist radikaler: Den Heldenplatz in Thomas-Bernhard-Platz umbenennen.

Weitere Artikel lesen


Anzeige

Anzeige