: GEDICHT

ZU GUTER LETZT

aus HEUREKA /18 vom 27.06.2018

Oswald Egger

Der Schriftsteller und Lyriker Oswald Egger (geboren 1963 in Tscherms, Südtirol) lebt auf der ehemaligen Raketenstation Hombroich bei Neuss und arbeitet als Professor für "Sprache und Gestalt" in Kiel. Zuletzt erschienen: "Harlekinsmäntel und andere Bewandtnisse" und "Val di Non" (beide 2017). 2017 erhielt er den Georg-Trakl-Preis für Lyrik.

erich klein

Oswald Egger: Tale /Novella

Immerhin öffnen sich wieder neue Wege für das eindringendere Wasser. Die gebuckelte Zunge -der Ausrisse -verflacht durch Feinbewegungen, auch vernarben solche Anbrüche wieder, und anstelle der verharschten, um Felsen gelegten Fangschlingen, treten neue auf: Ich rupfe den Bast ab vom Flieder haariger Akazien. Talwasser strömt durch den Boden, gelbe Erde, mit falbgraublauem, Tuff-fein geschichteten Ton, das Land ist flach wie ein Tisch. Und rundgeformte, voneinander isoliert aufplatzende Kalkfelsenschwämme überdeckten die Hochebene zu Schwärmen, als ein riesiger Karfiol. Und ob die Erdschären aus Kreidestein Dünen sind: fließen sie inselig in Sickerröge ein: tiefe, abspaltige Klammern zwischen sich auskalbend, keilhöckrig ineinander verengerte, während ein steinernes Meer buckeliger, in Zungen steil abfallender Kogel über sehr hohe Wände rollt.

Aus: Oswald Egger: Tale /Novella, Edition Wege ins Land, Detmold, 2018

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