Mathematik

Abzählen ist gar nicht so einfach

Benjamin Hackl durchdringt mit Mathematik komplexe Strukturen

Uschi Sorz | aus HEUREKA /18 vom 31.10.2018

Lassen wir einmal die sprachliche Verständlichkeit beiseite und betrachten wir diesen Text aus Sicht der Kombinatorik. Diese ist ein Gebiet der Mathematik, das sich mit Abzählproblemen beschäftigt. Ein solches könnte auch die Frage sein, auf wie viele Arten man die Buchstaben in diesem ersten Absatz anordnen könnte. "In der analytischen Kombinatorik möchte man außerdem verstehen, wie die Anzahl der Möglichkeiten mit der Größe der zugrunde liegenden Struktur wächst", erklärt Benjamin Hackl sein Forschungsfeld. Etwa wenn wir den untersuchten Bereich von einem Absatz auf den ganzen Artikel oder gleich auf sämtliche je erschienene Heureka- Ausgaben ausdehnen.

"Achtung Spoiler!", schmunzelt Hackl. "Die möglichen Varianten nehmen extrem schnell zu." Kombinatorik spielt auch in der Informatik eine Rolle, etwa wenn bei der Analyse von Algorithmen präzise Wachstumsangaben gefragt sind.

Hackl ist Postdoc an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, als deren jüngster Doktoratsabsolvent er im Mai von sich reden machte. Damals war er 23 Jahre alt. Im November wird ihm der Bundespräsident den Titel "sub auspiciis" verleihen. Zu studieren begann er mit 15 Jahren parallel zur Schule. Das Programm "Schüler/innen an die Hochschulen" des Österreichischen Zentrums für Begabtenförderung und Begabtenforschung machten dies möglich.

"Reiner Zufall", so Hackl. "Meine Mutter holte mein Zeugnis von der Schule, weil ich krank war. Mit einem Blick darauf empfahl ihr die Sekretärin spontan ein Talentecamp der Uni." Dort lernte er die höhere Mathematik kennen.

Aktuell befasst er sich mit Graphen, Ansammlungen von mit Strichen verbundenen Punkten. Damit lassen sich Netzwerke modellieren, u. a. geografische. "Ich kann mir etwa anschauen, wie viele Flüsse im Ausmaß der Drau in einem größeren Flussnetzwerk wie dem der Donau zu erwarten sind."

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