Nachhaltigkeitsforschung

Es wäre ein grandioser Fortschritt für Europas Landwirtschaft

In Südkorea bilden 1,5 Millionen Menschen die landwirtschaftliche Vereinigung Hansalim: eine koreanische Utopie für Europa

Tobias Schmitzberger | aus HEUREKA /18 vom 31.10.2018

1,5 Millionen Mitglieder, 2.200 Bauern: Das ist "Hansalim", eine landwirtschaftliche Vereinigung in Südkorea. Die Initiative fördert eine starke Verbindung zwischen Lebensmittelerzeugern und Konsumenten. Die Lebensmittel gelangen dabei über 23 Verteiler-Kooperativen, 217 eigene Geschäfte und ein riesiges Verteilungszentrum zu den Konsumenten.

Niko Paech, deutscher Volkswirt und Nachhaltigkeitsforscher an der Universität Siegen, war an der Dokumentation "Zeit für Utopien" von Kurt Langbein beteiligt. Auch die Vereinigung Hansalim war hier Thema.

"Die Wertschöpfungsarchitektur ist beeindruckend, weil sie sich aller unnötigen Zwischenstufen entledigt. So entstehen direktere Beziehungen zwischen Verbrauchern und Produzenten. Neben anderem spart das Kosten und Ressourcen", erklärt Paech.

Laut Hansalims Jahresbericht gehen 73 Prozent der Verkaufserlöse an die beteiligten Bauern. Zum Vergleich: Das Thünen-Institut für Marktanalyse gibt an, dass deutsche Bauern und Bäuerinnen nur etwa 25 Prozent des Gewinns an ihren Produkten lukrieren. "Es wäre ein grandioser Fortschritt, das System Hansalims in leicht angepasster, mit Europa kompatibler Form bei uns zu übernehmen", sagt Paech. Allerdings müsse man es ergänzen, etwa mit Elementen wie Gemeinschaftsgärten, in denen Menschen selbst Lebensmittel anbauen. Doch Hansalim zeigt immerhin, dass sich Utopien verwirklichen lassen.

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