Am Institut für Halbleiter-und Festkörperphysik der Linzer Johannes-Kepler-Universität forschen diese drei Physikerinnen an den Materialien der Zukunft

Uschi Sorz | aus HEUREKA /18 vom 31.10.2018

Santa Pile, 32 "Die Welt der Atomphysik finde ich genauso faszinierend wie die Erforschung anderer Galaxien", sagt die in Litauen geborene und in Russland aufgewachsene Physikerin. Mit ihrem Beruf stieg sie in die Fußstapfen ihrer Mutter, die ihr schon als sie vier Jahre alt war zu erklären versuchte, was ein Atom ist. "Ich war beeindruckt, wie viel Welt um uns herum ist, die man nicht unmittelbar sieht." Pile hat ein Diplom der Moskauer Lomonossov-Universität und absolvierte ihren Master an der Universität Duisburg-Essen. Für ihre Dissertation erforscht sie nun die dynamischen magnetischen Eigenschaften von Materialien. "Magnetische Materialien sind von der Elektronik bis zur Kreditkarte nicht nur allgegenwärtig, sondern werden immer winziger. Man sollte wissen, was in diesem Maßstab passiert, damit die Geräte zuverlässig funktionieren."

Huiying Huang, 28 Als sie vor sieben Jahren im Zuge ihres Bachelors als Austauschstudentin nach Ulm kam, hatte die Chinesin noch nicht viel über Quantencomputer und Quantenkommunikation gehört. "Höchstens in Science-Fiction-Filmen", lacht sie. "Damals machte das Unternehmen D-Wave gerade mit einem ersten Quantencomputer von sich reden. 2016 starteten Wiener und chinesische Wissenschafter den ersten Quantensatelliten, trotzdem war das lange von meiner Lebenswelt entfernt." Sie studierte Materialwissenschaften im Master in Ulm. Erst durch die externe Masterarbeit am Leibniz-Institut für Festkörper-und Werkstoffforschung in Dresden kam sie in Berührung mit der Quantenoptik. "Diese kreative Art zu forschen hat mich fasziniert." Für ihre Dissertation arbeitet sie in Linz an der Verbesserung von Quantenlichtquellen für Halbleiter.

Margherita Matzer, 29 "Ich habe lange gebraucht, um mich für ein technischnaturwissenschaftliches Fach zu entscheiden", sagt die Grazerin. "Ich wollte etwas gesellschaftlich Wertvolles tun und sah das hier zuerst nicht." Die Einsicht, dass die Wissenschaft der Allgemeinheit zugutekommt, gab den Anstoß zum Studium der Technischen Physik an der JKU. Für ihre Dissertation arbeitet sie in der Grundlagenforschung von Nanostrukturen auf dem Gebiet des Elektronenspins, den man sich wie eine Eigendrehbewegung vorstellen kann. "Ich erforsche diese Eigenschaft der Elektronen für neue Methoden der Stromerzeugung, die vor allem im Nanogrößenbereich interessant sind", etwa um Smartphones oder Computer immer kleiner und effizienter zu machen. Neben der Laborarbeit liebt sie den fächerübergreifenden "Blick über den eigenen Forschertellerrand".

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