NEUROLOGIE

Gedankenlesen: Forscher konnten die Routen von Ratten vorhersagen

Ratten, aber auch Menschen, haben Platzzellen im Gehirn, deren Funktion jener eines GPS gleicht: Sie verorten ein Individuum im Raum

Jasmin Gerstmayr | aus HEUREKA /19 vom 27.03.2019

Im Gehirn von Säugetieren wie den Menschen oder Ratten gibt es "Platzzellen", deren Aktivität verrät, wo sich ein Individuum gerade befindet. Wenn diese Nervenzellen Signale abgeben, kann man daraus entweder ablesen, wohin es sich als nächstes bewegen wird, oder wo es gerade war, berichten Forscher des Institute of Science and Technology (IST) Austria im Fachblatt Neuron. Sogar ein Irrtum wäre demnach vorhersagbar.

Ein Team rund um Jozsef Csicsvari setzte Ratten mehrmals hintereinander in einen Raum, von dem acht Gänge abzweigten. In manchen war Futter versteckt. Die Nager konnten sich mithilfe ihres "Referenzgedächtnis" merken, wo Essbares zu finden war. Bevor eine Ratte sich auf den Weg machte, entsprach die Abfolge der Nervenzellen, die Signale abgaben, entweder der Route im zuletzt besuchten Gang, oder jenem, durch den sie als nächstes lief. "Das Tier denkt also an einen anderen Ort als den, an dem es sich gerade befindet", so Csicsvari. Bei den Tests über das Referenzgedächtnis, in dem die Gänge mit der Belohnung gespeichert sind, gingen die Ratten den Weg offensichtlich vorher im Kopf durch: Die Signalsequenz entsprach der Route, die sie anschließend gingen. "So konnten wir vorhersagen, welchen Gang die Ratte als nächstes betreten würde", erklärt Csicsvari. Die Forscher konnten sogar erkennen, wann eine Ratte einen Fehler machen würde. Dann nämlich erinnerte sich das Tier an einen zufälligen Weg.

Weitere Artikel lesen


Anzeige

Anzeige