AUTONOMES FAHREN

Wen würden Sie im Notfall überfahren: einen älteren oder jüngeren Menschen?

Mit der Einführung des autonomen Fahrens kommt auch eine ethische Fragestellung in die Debatte um die richtige Programmierung

Werner Sturmberger | aus HEUREKA /19 vom 27.03.2019

Eine Straßenbahn rast auf eine Gruppe zu, kann aber so umgeleitet werden, dass nur eine Person zu Tode kommt. Diese ethische Problemstellung hat durch autonomes Fahren Relevanz gewonnen. Wie entscheidet eine Künstliche Intelligenz?

Am Medial Lab des Massachusetts Institute of Technology wollte man wissen, wie Menschen entscheiden. Auf einer Website konnte man auf solche Szenarien reagieren. Mehr als zwei Millionen Menschen nahmen teil. Als allgemeines Muster wurde deutlich: Personengruppen haben Vorrang vor Einzelnen, Frauen vor Männern und Hunde vor Katzen und Kriminellen.

Dabei gab es starke regionale Unterschiede: In Ostasien und in islamischen Ländern war man eher bereit, den Tod jüngerer Menschen in Kauf zu nehmen. In Lateinamerika wurden eher athletische als übergewichtige Personen verschont. In Ländern mit großer ökonomischer Ungleichheit haben Geschäftsleute bessere Karten als Obdachlose. In Japan und Deutschland Fußgänger, die sich an die Regeln halten, bessere als jene, die eine Straße bei Rot queren.

Bislang hat nur Deutschland eine Richtlinie für autonomes Fahren erlassen: Im Fall eines unvermeidbaren Unfalls dürfen Autos keine auf Persönlichkeitsmerkmalen basierenden Entscheidungen treffen. Was aber beim Export deutscher Autos? Müssen diese lokalen Moralvorstellungen angepasst werden? Trifft ein Auto in China Entscheidungen, die auf dem Social-Credit-System gründen, das gute von schlechteren Bürgern unterscheidet?

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